Onkologie: Patientennutzen stärker fokussieren

14.03.2013

Foto: Junge Frau mit Kopftuch

Bei der Nutzenbewertung von Krebsmedikamenten soll nicht nur das Überleben, sondern die Lebensqualität im Vordergrund stehen; © panthermedia.net/Brian Chase

Die bisherigen Erfahrungen mit der frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln im Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) zeigen noch Optimierungsbedarf: Patientenbezogene Parameter wie die Lebensqualität müssen stärker berücksichtigt werden.

„Die klinische Forschung in der Onkologie hat das Zeitalter, in dem das Überleben der einzig relevante Parameter für klinische Studien war, eindeutig hinter sich gelassen“, betont Professor David Cella von der Northwestern University Feinberg Medical School, Chicago. Zwar blieben traditionelle Endpunkte in onkologischen Studien wie das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben weiterhin wichtig: „Sie berücksichtigen aber nicht, wie Patienten eine Krebsbehandlung und ihre Folgen subjektiv erleben“, so Cella.

Für Cella ist es deswegen heute Standard, in der Onkologie auch die Lebensqualität der Patienten systematisch und mit Hilfe validierter Scores zu erheben: „Damit sollte so früh wie möglich in der Arzneimittelentwicklung begonnen werden, am besten schon in den frühen Phase II-Studien.“ Er betonte, dass die Lebensqualität nicht nur ein wichtiger subjektiver Parameter sei. Sie könne teilweise sogar als ein Frühindikator für längerfristige Endpunkte wie Überleben oder progressionsfreies Überleben genutzt werden. So wisse man heute, dass es eine Korrelation zwischen Lebensqualitäts-Scores und klinischen Krankheitsparametern gebe. Eine Verringerung der Lebensqualität eilt dem objektiven, radiologischen Nachweis einer Progression oft voraus.

Wie problematisch eine zu starke Fixierung auf den Endpunkt „Überleben“ sein kann, macht der Medizinische Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), Professor Bernhard Wörmann, am Beispiel der Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen deutlich: Gerade bei jenen Krebserkrankungen, bei denen im metastasierten Stadium eine ganze Reihe an Therapien und Folgetherapien zur Verfügung steht, sagt das Gesamtüberleben häufig wenig aus. Der Grund: Fast alle Patienten, die an klinischen Studien teilnehmen, erhalten nach einem Fortschreiten der Erkrankung andere Behandlungen, die ihrerseits die Sterblichkeit beeinflussen. Die Messung der Lebensqualität komme daher gerade in der palliativen Situation den tatsächlichen Patientenbedürfnissen oft sehr viel näher.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.