Operationen sind sehr sicher geworden. Und doch kommt es bei rund zehn Prozent der operierten Patienten zu irgendeiner Art der Komplikation. Eine der wichtigsten Komplikationen und Todesursachen bei nicht-kardialen operativen Eingriffen sind perioperative Myokardinfarkte. Die Pathophysiologie bei solchen Ereignissen ist wahrscheinlich dieselbe wie bei Infarkten ohne zeitlichen Zusammenhang mit einer Operation. Möglicherweise kommt es aber auch zu einer Sauerstoff-Mangelversorgung als Folge des operativen Stresses.

In einer retrospektiven Studie sollte nun geprüft werden, ob die perioperative Gabe von Beta-Blockern dieses Komplikationspotential entschärfen kann. Daten von 782.969 Patienten wurden untersucht. Alle hatten sich zwischen 2000 und 2001 einer größeren nicht-kardialen Operation unterzogen. Unterschieden wurde dabei zwischen jenen Patienten, welche perioperativ Beta-Blocker eingenommen hatten und jenen, die keine erhielten.

Unter 663.635 Patienten, welche keine Kontraindikationen gegen Beta-Blocker aufwiesen, erhielten 18 Prozent tatsächlich einen solchen Wirkstoff innerhalb der ersten zwei Tage nach der Operation. Wie sich zeigte, nützen Beta-Blocker offenbar vor allem jenen Patienten, welche ein kardiales Risiko aufweisen. Bei den 580.665 Patienten, welche einen "Revised Cardiac Risk Index (RCRI)"-Score von bis zu 1 hatten, brachte der Beta-Blocker keinen Vorteil. Anders bei Patienten mit einem Score von 2 oder höher: Deren Risiko, im Krankenhaus an der Folge einer Operation zu sterben, sank zwischen 18 Prozent und 42 Prozent, je nach kardialem Risiko.

Die Botschaft dieser Studie ist daher: Patienten mit kardialem Risiko profitieren von der perioperativen Gabe eines Beta-Blockerns, bei den anderen Patienten dagegen schadet ein solcher Wirkstoff eher als dass er nützt.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2005, Vol. 353, S. 349-361