Bei bestimmten Indikationen werden Patienten perioperativ unterkühlt. Diese perioperative Hypothermie hat jedoch physiologische Nachteile: Man weiß, dass die Unterkühlung des Körpers die Funktion der Thrombozyten vermindert und Enzyme der Gerinnungskaskade hemmt. Beides führt zu einer verminderten Blutgerinnung. Man hat daher vermutet, dass Patienten in perioperativer Hypothermie ein erhöhtes Blutungsrisiko haben. In einer Meta-Analyse sollte jetzt untersucht werden, ob dies auch für eine nur leichte perioperative Hypothermie zutrifft und der Blutverlust sowie der Bedarf an Transfusionsmitteln erhöht ist.

14 Studien wurden dabei einer Re-Analyse unterzogen in Bezug auf Blutverluste. In allen Studien wurden Patienten mit einer leichten Hypothermie während der Operation – 34 bis 36 Grad Celsius Körpertemperatur – mit normothermischen Patienten verglichen. Zehn weitere Studien beschäftigten sich mit dem Bedarf an Transfusionsmitteln bei milder Hypothermie.

Die durchschnittliche Körpertemperatur bei den normothermischen und hypothermischen Patienten wich nur geringfügig voneinander ab, um lediglich 0,85 Grad Celsius im Durchschnitt.

Allerdings zeigten sich in Bezug auf den Blutverlust und den Bedarf an Transfusionsmitteln deutliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen: So hatten Patienten, deren Körpertemperatur während der Operation Normalwert hatte, einen Blutverlust, der nur bei durchschnittlich 84 Prozent des Blutverlustes in der hypothermischen Gruppe lag. Außerdem benötigten sie nur etwa 78 Prozent der Transfusionsmittel jener Patienten, die hypotherm waren.

Die Studienleiter schließen daraus, dass auch leichte Hypothermien von lediglich einem Grad unter Normaltemperatur bereits den Blutverlust und den Bedarf an Transfusionsmitteln erhöhen. Die perioperative Hypothermie sollte daher nur bestimmten Indikationen vorbehalten bleiben.

MEDICA.de; Quelle: Anesthesiology 2008, Vol. 108, S. 71-77