Perspektiven für ländliche Versorgung und Allgemeinmedizin

09.09.2014
Foto: Dorf und Felder

Die Bereitschaft von Medizinstudenten, auch in Ortschaften mit weniger als 2.000 Einwohnern zu arbeiten, verbesserte sich um 7,6 Prozent; ©cduschinger/ panthermedia.net

Studierende der Medizinischen Fakultäten gaben zum zweiten Mal in einer bundesweiten Befragung Auskunft über ihre beruflichen Planungen. Bei der Facharztwahl hat die Präferenz, sich auch für die Allgemeinmedizin zu entscheiden, mit 5,2 Prozent die stärksten Zuwächse zu verbuchen.

Die Bereitschaft, auch in Ortschaften unter 2.000 Einwohnern zu arbeiten, verbesserte sich sogar um 7,6 Prozent.

„Die zweite bundesweite Befragung der Universität Trier zeichnet ein umfassendes Bild der Vorstellungen von Medizinstudierenden über ihren künftigen Beruf. Die Zusammensetzung der mehr als 11.000 Teilnehmer entspricht in groben Zügen den Verhältnissen an den Medizinischen Fakultäten: 53,7 Prozent der Befragten wurden über das Auswahlverfahren der Hochschulen zum Studium zugelassen und 21,2 Prozent über die Abiturbestenquote“, erklärt Prof. Heyo Kroemer, Präsident des MFT Medizinischen Fakultätentages.

„Dass die Bereitschaft für eine Berufsausübung auf dem Land innerhalb von vier Jahren deutlich zugenommen hat, ist ein sehr erfreulicher Befund. Die Ablehnung von Orten mit weniger als 2.000 Einwohnern sank zwischen 2010 und 2014 um 7,6 Prozent. Bei Ortschaften mit 2.000 bis 5.000 Einwohnern sank sie um 6,6 Prozent“, erläutert Dr. Volker Hildebrandt, MFT-Generalsekretär.

Hinsichtlich der fachärztlichen Weiterbildung rangieren die in der hausärztlichen Versorgung relevanten Disziplinen auf den ersten drei Plätzen. Die Innere Medizin, die Allgemeinmedizin und die Kinder- und Jugendmedizin führen deutlich die Beliebtheitsskala an. Die Option Allgemeinmedizin kann dabei den stärksten Zugewinn verbuchen. Hier stieg das Interesse von 29,3 auf 34,5 Prozent an. „Dies zeigt, dass die später geringe Zahl an den Weiterbildungen in der Allgemeinmedizin nicht durch das Studium, sondern andere Faktoren bedingt ist“, betont Kroemer.

Bemerkenswert ist, dass es für das berufliche Profil der Befragten am wichtigsten ist, auf dem neuesten Stand der Wissenschaft (94,7 Prozent) zu sein. Abwechslung bei der Arbeit (92,5 Prozent) und ein gutes Einkommen (82,2 Prozent) folgen dann erst auf den Plätzen zwei und drei. Auch auf dem Land kommt damit der universitären Vernetzung eine wachsende Bedeutung zu. „Die Möglichkeit, an Studien teilzunehmen, schätzen Studierende mehr (35,3 Prozent) als ein positives Image ihres Faches (22,6 Prozent). Die Befragten werten eine Arbeit im Team sogar höher (63,6 Prozent) als eine eigene Praxis (60,3 Prozent)“, erklärt Kroemer.

Besonders interessant ist, dass eine eher ländliche Universität zwar die hausärztliche Versorgung seit ihrer Gründung als Ausbildungsziel ausweist, dort aber außergewöhnlich wenige Studierende die Allgemeinmedizin wählen. „Standortspezifische Auswertungen werden nun dazu beitragen, Ausbildungskonzepte kritisch zu hinterfragen und zu verbessern“, so der MFT-Präsident.

MEDICA.de; Quelle: MFT Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland e.V.