Senioren: Pflaster ruft bei Sturz Notarzt

19.06.2013
Foto: Vigi'Fall-Pflaster

Das Vigi'Fall-Pflaster soll ernsthafte Stürze erkennen und den Notarzt verständigen können; © Europäische Kommission

Notruf per Pflaster: Ein neues System, das bei einem Sturz umgehend den Notarzt verständigt, wurde durch ein europaweites Konsortium entwickelt. Es ist ab Ende 2013 für jedermann erhältlich.

Das Erkennungssystem „Vigi’Fall“ gewährleistet dank eines kleinen dreieckigen Pflasters auf der Haut, dass jeder ernsthafte Sturz erkannt und ein Notfalldienst benachrichtigt wird. Rund drei Millionen Senioren in ganz Europa könnten davon profitieren. Allein in Deutschland starben 2011 fast zehntausend Menschen an den Folgen eines Sturzes, die meisten von ihnen Senioren. Entwickelt wurde das System vom FallWatch-Konsortium, an dem Forscher aus ganz Europa mitarbeiten. Federführend im Konsortium ist das französische Start-up Vigilio S.A. Mit der AEMtec GmbH aus Berlin ist auch ein deutsches Technologieunternehmen an Vigi‘Fall beteiligt. Das gesamte Projekt wurde von der Europäischen Kommission mit rund zwei Millionen Euro gefördert.

„Man schätzt, dass in Europa jährlich über 20 Millionen Menschen der Altersgruppe 65+ einen Sturz erleiden“, erklärt Jean-Eric Lundy, Gründer von Vigilio S.A. und Arzt in der Notfallaufnahme des Hôpital Cochin, Paris. „Damit ist ein Sturz die Hauptursache für traumatisch bedingte Todesfälle in diesem Alter. Sofortige medizinische Hilfe ist hier ausschlaggebend, da sie über Leben und Tod entscheiden kann. Viel zu oft machen wir die Erfahrung, dass ältere Patienten vor der Einlieferung ins Krankenhaus stundenlang hilflos zu Hause gelegen haben, weil sie nicht um Hilfe rufen konnten. Dabei entstehen oft irreversible physische und psychische Schäden.“

Vigi’Fall basiert auf einem Sensorensystem: einem Biosensor, der vom Anwender selbst getragen wird, sowie Wandsensoren in den Wohnräumen. Damit ist er in etwa vergleichbar mit einer Alarmanlage. Im Falle eines Sturzes sendet der Biosensor am Körper ein Signal aus; darüber hinaus registrieren die Wandsensoren, dass keine Bewegungen mehr stattfinden. Sie teilen diese Information der zentralen Kontrollbox im Wohnbereich mit. Diese benachrichtigt per Telefon das Pflegepersonal oder – falls sich der Sturz in einer Privatwohnung ereignet – ein Callcenter.

Um zwischen tatsächlichen Stürzen und einem Fehlalarm unterscheiden zu können, verfügt Vigi’Fall über eine spezielle Software, die den Sturz (mit oder ohne Aufprall) und die anschließende Lage des Patienten analysiert. In einer Pflegeeinrichtung kann das Personal im Ernstfall sofort reagieren. Menschen, die allein leben, werden zur zusätzlichen Sicherstellung von einem Callcenter-Mitarbeiter angerufen. Bleibt der Anruf unbeantwortet, wird umgehend die Familie oder ein Notfalldienst benachrichtigt.

„Das FallWatch-Projekt zeigt, welche Fortschritte in der medizinischen Versorgung möglich sind, wenn die Besten der europäischen Wirtschaft zusammenarbeiten“, kommentiert Michael Jennings, Sprecher der Europäischen Kommission für die Bereiche Forschung, Wissenschaft und Innovation. „Diese Innovation bringt den Menschen einen spürbaren Nutzen und ist gleichzeitig gut für die europäische Wettbewerbsfähigkeit, die von der Kommission im Rahmen des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms ‚Horizon 2020‘ kontinuierlich gefördert wird.“

MEDICA.de; Quelle: Europäische Kommission