Physiosklerose und Sarkopenie stehen im Zentrum

120 bis 140 Jahre ist unser
genetisches Alter, so Kardiologen
© Hemera

Das Problem beim Altwerden ist keineswegs die Arteriosklerose. Die nämlich ist biologisch normal. Bei einem ungesunden Lebensstil wird der arteriosklerotische Prozess jedoch gefährlich beschleunigt. Wo das normale, physiologische Altern aufhört und eine Krankheit beginnt, ist allerdings oft kaum auszumachen, sagten Experten kürzlich auf der 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Dass die zu Grunde liegenden Mechanismen von Altern und Krankheit oft die gleichen sind, zeige sich etwa bei jenen beiden Prozessen, die im Zentrum der Alterungsvorgänge stehen: Der Entstehung einer altersbedingten Arteriosklerose ("Physiosklerose") und der Verlust von Muskulatur ("Sarkopenie").

Der unabwendbare und altersbedingte Prozess der Arteriosklerose wird durch einen ungünstigen persönlichen Lebensstil so weit beschleunigt, bis eine krankhafte Arteriosklerose entsteht. Im Idealfall pendelt sich im Körper ein Gleichgewicht zwischen der Bildung neuer Freier Radikale und ihrer Beseitigung ein.

Faktoren wie besonders fettreiche Ernährung, Zigarettenrauch, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus oder Gicht können dieses Gleichgewicht jedoch stören und so zu einem Übergewicht der Freien Radikale führen. Das führt zu andauerndem oxidativen Stress in den Blutgefäßen und damit zur Beschleunigung der Arteriosklerose bis hin zum Verschluss von Gefäßen.

Auch der Muskelschwund kann gleichsam natürlich, altersgemäß voranschreiten, oder durch den Lebensstil verstärkt werden. Grund für den natürlichen Muskelschwund sind Veränderungen im Hormonhaushalt.

Bei älteren Personen wird weniger Wachstumshormon ausgeschüttet. Damit fehlt ein Anreiz zur Bildung von neuen Muskelzellen. Beschleunigt wird dieser Prozess durch fehlende Beanspruchung des Bewegungsapparates.

Buchtipp:
"Mögest Du leben, so lange Du willst und es wollen, solange Du lebst" lautet ein alter keltischer Trinkspruch. Und er drückt aus, was sich wohl die meisten Menschen wünschen: In Gesundheit und Würde altern zu können. Das "Kursbuch Anti-Aging" hat sich genau diesem Thema verschrieben. Anders als viele Bücher bleibt dieses Werk jedoch nicht bei den gesundheitlichen Aspekten des Altwerdens oder Jungbleibens stehen, sondern befasst sich auch mit Gesundheitstheorien und Gesundheitskonzepten. Nachdem unter anderem die spezifischen Alterungsprozesse bei den beiden Geschlechtern besprochen sind, analysiert das Buch allgemeine Strategien zur Alterungsprävention und unterzieht die praktischen Anti-Aging-Konzepte einer kritischen Würdigung. Ein Buch für den Mediziner, das auch der Laie über weite Strecken verstehen wird.

Günther Jacobi, Hans Konrad Biesalski et al (Hrsg.): Kursbuch Anti-Aging; Thieme Verlag 2005, 416 Seiten mit 180 Abb., gebunden, ISBN 3-13-139091-3; 89,95 Euro

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie 71. Jahrestagung 2005