Pilotprojekt SUBITO spart Blutprodukte

03.02.2015
Foto: Arm eines Blutspenders mit Kanüle

Spenderblut ist eine kostbare Ressource, die aus demographischen und ökonomischen Gründen sparsam eingesetzt werden sollte; ©panthermedia.net/ Wellphoto

Blut, oft lebensrettend für Unfallopfer und bei ausgedehnten Operationen, notwendig für Bluter sowie Kinder und Erwachsene mit bösartigen Blut- oder Tumorerkrankungen, kann man nicht in der Apotheke kaufen. Es ist eine kostbare Ressource, die aus medizinischen, demographischen und ökonomischen Gründen sparsam eingesetzt werden sollte.

Das Projekt mit dem Namen SUBITO der Klinik für Anästhesiologie, des Instituts für Hämaostaseologie, Hämotherapie und Transfusionsmedizin sowie der Klinik für Kardiovaskuläre Chirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf spart Blutprodukte ein.

Dr. Stephan Sixt, Dr. Till Hoffmann und Dr. Alexander Albert entwickelten eine Strategie für die sog. Hämotherapie, bei der einzelne Komponenten des Blutes - Erythrozyten, Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren - abgestimmt auf den Bedarf des einzelnen Patienten gegeben werden können. Im Pilotprojekt lagen die Einsparungen je nach Komponente zwischen 30 und 60 Prozent. Dies bedeutet einen Rückgang von Blutkonserven von rund 5.000 Stück pro Jahr im Uniklinikum Düsseldorf.

Vereinfacht ausgedrückt werden bei Transfusionsbedarf nicht mehr notwendigerweise alle Komponenten der Blutgerinnung transfundiert, sondern nur die, die der einzelne Patient benötigt. Was sich logisch anhört, ist leichter gesagt als getan. Voraussetzung ist nämlich, dass der aktuelle Zustand des gesamten Gerinnungssystems eines Patienten analysiert wird, und zwar in kürzester Zeit. Mit SUBITO haben die beiden Mediziner dieses Problem in Angriff genommen, indem sie einmal eine vorrangige und schnelle Labordiagnostik einführten, die "subito", also sofort, den spezifischen Bedarf ermittelt und die Blutkomponenten in den OP liefert. Ein weiterer Schritt ist, dass schon präoperativ Risiken eines Patienten im Hinblick auf eine Bluttransfusion erfasst und minimiert werden, sodass Blutungen während der Operation verringert oder sogar verhindert werden können.

Vorrangiges Ziel ist aber nicht Geld zu sparen, auch wenn es um eine respektable Größenordnung geht: Pro Jahr hält das Institut für Hämostaseologie und Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf zur Behandlung transfusionspflichtiger Patienten bis zu 60.000 Blutkomponentenkonserven bereit.

Vor allem aus medizinischer Sicht profitieren Patienten von weniger Transfusionen. Bluttransfusionen beeinflussen, so weiß man inzwischen, das Immunsystem. Man kennt zwar die Gründe noch nicht genau, aber man nimmt an, dass sie die "Wachsamkeit" des Immunsystems herabsetzen. "Möglicherweise", sagt Transfusionsmediziner Hoffmann, "geschieht das durch die Menge an "Fremdeiweißen", die den Organismus bei einer Transfusion überschwemmen. Dadurch können sich quasi Nebenwirkungen entwickeln, die den Patienten belasten. Sie können ihn zum Beispiel empfänglicher für Infektionen machen." Auch weitere Gründe sprechen für weniger Transfusionen: "Bei Herzoperationen mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine zum Beispiel kann allein das große Flüssigkeitsvolumen durch die Blutzufuhr eine Belastung für das Herz sein", erläutert Sixt.

Die Düsseldorfer Mediziner glauben zudem, dass viele der SUBITO-Patienten sich postoperativ schneller erholen. "Das bleibt aber wissenschaftlich noch zu belegen", sagen sie deutlich.

Ein weiterer Grund spricht dafür, Konzepte für den sparsamen Einsatz von Blutprodukten zu entwickeln. Der demographische Wandel einer älter werdenden Gesellschaft bringt steigenden Bedarf, aber sinkende Spenderzahlen mit sich. Ein Prozess, der in Deutschland in einigen Bundesländern bereits beobachtet werden kann.

Viele Gründe sprechen also für die Fortführung des Projektes und weitere Erforschung auch im Hinblick auf mittel- und langfristige Ergebnisse. Es geht den Düsseldorfer Ärzten darum, zu viele Bluttransfusionen zu vermeiden. "Dass Blut in vielen Situationen Leben rettet", so Stephan Sixt, "steht außer Frage. Uns geht es darum, den Einsatz für unsere Patienten in der Uniklinik zu optimieren."

MEDICA.de; Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf