Beide Verbände appellieren an die Politik, die neue Verordnung in Deutschland konsequent und zügig praktisch anzuwenden und hierfür effektive und transparente Strukturen zu schaffen. Durch die Verordnung wird es notwendig, erheblich mehr Medikamentenstudien mit Minderjährigen durchzuführen als bisher.

Prof. Dr. Hannsjörg W. Seyberth, Vorsitzender der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter der Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin betont, dass eine erfolgreiche Umsetzung nur im Zusammenwirken möglich ist: "Alle, die an der Entwicklung, Verordnung und Anwendung von Kinderarzneimitteln beteiligt sind, sind nun gefragt, diese europäische Verordnung den Kindern gegenüber höchst verantwortungsvoll umzusetzen. Hierzu zählt unter anderem die Weiter- und Fortbildung der Pädiater und Pflegekräfte in der Durchführung von Arzneimittelstudien nach den sehr umfangreichen und aufwendigen EU-Leit- und Richtlinien, die Entwicklung von möglichst wenig belastenden und kindgerechten Prüfmethoden und der Aufbau von Studien-Netzwerken mit möglichst vielen Kinderkliniken und Kinderarztpraxen."

Durch die europäische Verordnung werden Pharmaunternehmen ab 2007 verpflichtet, alle in Entwicklung befindlichen Medikamente auch für Kinder und Jugendliche zu prüfen und zur Zulassung zu bringen, sofern diese für Minderjährige in Betracht kommen. Sie erhalten dafür einen um sechs Monate verlängerten Schutz vor Nachahmerpräparaten. Für bereits zugelassene Präparate gibt es keine Verpflichtung, jedoch Anreize, sie nachträglich auch für Kinder und Jugendliche zu erproben und dafür eine Zulassungserweiterung einzureichen.

MEDICA.de; Quelle: Verband Forschender Arzneimittelhersteller