04.10.2012

innovating medical technology in.nrw c/o AGIT mbH

Positive Zwischenbilanz: Aachener Forschungsvorhaben zur "Patientenadaptierten Medizintechnik"

www.medtec-innrw.de

Seit gut zwei Jahren arbeiten die rund 40 Partner aus Klinik, Forschung und Industrie des Aachener Forschungsverbunds "innovating medical technology in.nrw" (www.medtec-innrw.de) in sechs Teilvorhaben an neuen patientenadaptierten medizintechnischen Lösungen für die kardiovaskuläre Therapie. Das Konsortium ging 2010 als Sieger aus dem InnoMeT.NRW-Wettbewerb des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen hervor und wird während der dreijährigen Projektlaufzeit mit insgesamt 13 Millionen Euro aus dem NRW-EU-Ziel2-Programm unterstützt.

Vor kurzem fand das zweite Statusmeeting von „innovating medical technology in.nrw" im Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie (IPT) in Aachen statt, um den „Status Quo“ der Forschungsprojekte zu beleuchten und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Univ. - Prof. Dr. Thomas Schmitz-Rode, Sprecher des Konsortiums, wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, dass das Thema der „Personalisierten Medizintechnik“ in Aachen bereits sehr früh erkannt wurde und auf vorbildliche Weise vom Land NRW unterstützt wird. In naher Zukunft soll auf das Potential und die neuen Therapiemöglichkeiten der individualisierten Medizintechnik auch auf EU-Ebene aufmerksam gemacht werden, um entsprechende Förderprogramme zu initiieren.

Medizintechnik besonders in NRW gefördert

Besondere Anerkennung erfuhren die Forscher und Unternehmer des Verbundes durch Prof. Dr. Fridtjof Nüsslin, Ehrenprofessor der Technischen Universität München für biomedizinische Physik und Vorsitzender der Jury InnoMet.NRW, der ein Grußwort zu Beginn des Statusmeetings hielt. Prof. Nüsslin zeigte sich von den bisherigen Ergebnissen und Fortschritten, die erreicht wurden, beeindruckt und beklagte die allgemein sehr zögerliche Förderung der Medizintechnik in Deutschland. NRW sei diesbezüglich eine rühmliche Ausnahme, so dass bedeutsame Felder wie Tissue Engineering, Bildgebung und Bioimplantate in Aachen weiter vorangetrieben werden könnten.

Dr. Ingeborg van Kroonenburgh (Morphology Group, University of Hasselt), erste Gastrednerin des Tages, beleuchtete in ihrem Vortrag zum Thema „3D printed implants for reconstruction in cranio-maxillofacial surgery” die Technik des „3D Printings“ für die Fertigung von individuellen Kieferimplantaten. Durch die industrienahe Forschung und die Entwicklung von personalisierter Medizintechnik, die hier betrieben wird, schlug sie die Brücke zur Thematik des in.nrw-Verbunds.

Schwerpunktvorträge gewährten Einblick in patientenadaptierter Medizintechnik

Anschließend hörten die Teilnehmer drei Schwerpunktvorträge aus den Teilprojekten. Den Anfang machte das Gewinnerprojekt des diesjährigen Biomedica Collaboration Awards „MiGi -Multifunctional Image Guided Interventions“, welches sich mit der Entwicklung von Führungsdrähten für die kardiovaskuläre Therapie befasst, die erstmals über verschiedene Bildgebungsverfahren wie MRI, Röntgenstrahlen und Ultraschall sichtbar gemacht werden können. Im Vortrag des Forschungsvorhabens „I3-Assist – Individual, Integrated & Interactive Assist“ wurden die neusten Fortschritte in der Entwicklung einer Herz-Lungen-Maschine (HLM) und eines Lungenunterstützungssystem (ECMO) in Modulbauweise vorgestellt, die letztlich eine nahtlose Umschaltung sowie Anpassung an Patientengröße und Behandlungsbedarf zum Ziel hat. Im letzten Schwerpunktvortrag wurden die aktuellen Ergebnisse des Teilprojekts „Patim – Patient Customized Implants“ vorgestellt, das mit zehn Partnern das größte Projekt des Verbunds darstellt. Die Projektpartner in „Patim“ beschäftigen sich mit der Herstellung patientenadaptierter kardiovaskulärer Implantate, die über molekulare Bildgebungsverfahren sichtbar gemacht werden können. Die Berichte zum Stand der Arbeiten wurden durch einen Ausblick in die Zukunft ergänzt. Nach den Präsentationen aus den Teilprojekten informierte Ingrid Zwoch von der Nationalen Kontaktstelle in Bonn in einem zweiten Gastvortrag über die „Strategische Positionierung der Medizintechnik im Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 der EU“, welches 2014 starten wird.

Erfolgreicher Poster-Rundgang

Nach der Mittagspause fand ein Poster-Rundgang im Rahmen des Statusmeetings statt. Die Teilprojekte „Biomonitoring bei Herzinsuffizienz (BioMon-HF)“, „ClusterDevelopment (CDev)“, „Interventionelle Hybridtherapie (HyTher)“ und „Telemedizinisches Rettungsassistenzsystem (TemRas)“ hatten ihre aktuellen Ergebnisse auf Postern dargestellt, die die Projektverantwortlichen den Interessierten anschaulich erklärten. Dr. Beate Müller (Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen), die Vertreter des Beirats, Univ.-Prof. Dr. Hans H. Schild (Direktor der Radiologischen Klinik, Universitätsklinikum Bonn) und Prof. Dr. Ing. Jörg Vienken (Fresenius Medical Care Deutschland GmbH, VP BioSciences Dept.), Prof. Dr. Fridtjof Nüsslin sowie Dr. Oliver Lehmkühler (Clustermanager MedizinTechnik.NRW), diskutierten angeregt die Fortschritte mit den jeweiligen Projektleitern. Einige der Poster machten sich danach auf den Weg zur BMT 2012 in Jena, wo sie an der dortigen Poster-Session teilnahmen.

Im Anschluss an das Statusmeeting fand eine Beiratsklausur statt, bei der die künftige Ausrichtung der F&E-Vorhaben und Möglichkeiten zur Nachhaltigkeit des Verbunds „in.nrw“ diskutiert wurden. Parallel dazu bestand für die Teilnehmer die Möglichkeit, die Mikro-Pull-Winding-Anlage am Fraunhofer IPT zu besichtigen, die durch die Fördergelder des Projekts „in.nrw“ finanziert und im Rahmen von „MiGi“ aufgebaut wurde.

Das zweite Statusmeeting von „innovating medical technology in.nrw" betonte noch einmal die Vorreiterrolle der Aachener Region auf dem Gebiet der „Patientenadaptierten Medizintechnik“. Durch die Entwicklungen im Rahmen dieses Forschungsverbunds und der weiteren Umsetzung in Anschlussprojekten kann diese Position in den kommenden Jahren sicherlich gefestigt und weiter ausgebaut werden.