Der natürliche Krankheitsverlauf bei Männern, die nach einer radikalen Prostatektomie noch immer nachweisbare PSA-Spiegel (mindestens 0,1 ng/ml) aufweisen, ist bislang nur mangelhaft beschrieben worden. In einer Studie am "Department of Urology" des Johns Hopkins Hospital in Baltimore sollte nun dieser Verlauf näher untersucht werden.

160 Männer nahmen daran teil. Zwischen 1989 und 2002 hatten sie sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen und wiesen danach dennoch PSA-Spiegel von mindestens 1 ng/ml auf. Keiner dieser Patienten erhielt adjuvante Therapie, bevor sich Metastasen bildeten. Nach drei, fünf beziehungsweise zehn Jahren waren noch 68 Prozent, 49 Prozent beziehungsweise 22 Prozent der Patienten ohne Fernmetastasen. Bei 47 Prozent der Studienteilnehmer bildeten sich solche Fernmetastasen. Die durchschnittliche Zeitdauer betrug fünf Jahre.

Offenbar kann die postoperative Veränderung des PSA-Spiegels und der Gleason Score dabei helfen, Risikopatienten für Fernmetastasen zu identifizieren. Besonders gefährdet sind demnach Männer, deren PSA-Wert sich nach drei bis fünf Monaten postoperativ um mehr als 0,05 ng/ml pro Monat verändert. Männer mit einem Gleason-Score unter acht sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 62 Prozent nach fünf Jahren noch immer frei von Fernmetastasen. Bei einem Gleason-Score zwischen acht und zehn liegt diese Wahrscheinlichkeit nur bei 30 Prozent.

Dieses Ergebnis zeigt nach Ansicht des Studienleiters Dr. Craig G. Rogers, dass man Patienten, die nach einer radikalen Prostatektomie noch immer nachweisbare PSA-Werte haben, nicht über einen Kamm scheren sollte. Einige leben danach noch mehr als sieben Jahre, während andere bereits drei Jahre später tot sind.

MEDICA.de; Quelle: Cancer 2004, Vol. 101, S. 2549-2556