Zu diesem Schluss kommen jedenfalls Dr. Kjersti M. Aagaard-Tillery und ihre Arbeitsgruppe von der University of Utah, Salt Lake City, USA, nachdem sie eine Kohortenstudie abgeschlossen haben. Darin untersuchten sie die Daten von 17.432 Frauen, die zwischen 1947 und 1999 ein Kind bekommen hatten und an einer Präeklampsie gelitten hatten. 52.296 Frauen gleichen Alters und gleichen Geburtsjahrs dienten als Kontrollgruppe. Die Frauen der Kontrollgruppe hatten nicht an einer Präeklampsie gelitten. Alle Daten stammten aus der Utah Population Database.

Von jenen Frauen, die an einer Präeklampsie gelitten hatten, erkrankten später 760 Frauen an einer malignen Neoplasie (4,79 Prozent). In der Kontrollgruppe waren es dagegen 2.617 Fälle (5,25 Prozent). Rechnerisch ist demnach das relative Risiko, an einem malignen Karzinom zu erkranken, 0.91 und damit neun Prozent geringer bei jenen Frauen, die an einer Präeklampsie gelitten haben, als bei jenen Frauen, die ihr Kind ohne diese Komplikation auf die Welt gebracht hatten (r gleich 0.027). Nachdem man verschiedene Störfaktoren herausgerechnet hatte, verblieb immer noch eine Risikoreduktion von acht Prozent (p gleich 0.039).

Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass die Präeklampsie einen gewissen protektiven Effekt für Mammakarzinome hat. Insofern weiten die Ergebnisse der neuen Studie die bekannten Erkenntnisse auf andere maligne Erkrankungen aus. Allerdings ist es nach Ansicht der Studienautoren unwahrscheinlich, dass die Präeklampsie an sich einen protektiven Effekt hat.

Vielmehr könnte es so sein: Eine bestimmte Gruppe von Frauen, die zur Präeklampsie neigt, bildet antiangiogene Substanzen, welche die Entstehung eines Karzinoms hemmen. Damit wäre bei diesen Frauen zwar das Risiko eines Karzinoms erniedrigt, dafür aber das Risiko atherosklerotischer und thromboembolischer Erkrankungen erhöht.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Obstetrics and Gynecology 2006, Vol. 195, S. 691-699