Prävention - Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht nur medizinische sondern auch gravierende soziale und wirtschaftliche Folgen abzuwenden.

Die „Nationale Verzehrstudie“ belegt, dass bereits heute nahezu 70 Prozent der deutschen Männer und über 50 Prozent der Frauen übergewichtig sind, also einen Body Mass Index (BMI) von 25 kg/m² oder darüber aufweisen. Laut Daten des statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2010 liegt die durchschnittliche tägliche Gehstrecke des Bundesbürgers bei 400 Meter pro Tag. Die Folge von Fehlernährung und Bewegungsmangel: Immer mehr Menschen erkranken an Adipositas – und an damit verbundenen Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf- und Krebsleiden. Als adipös gelten Menschen mit einem BMI von 30 kg/m² oder mehr. Aktuelle Hochrechnungen der World Health Organization WHO gehen davon aus, dass 2040 mehr als 50 Prozent aller Bundesbürger adipös sein werden.

„Die Liste der primär lebensstilbedingten Volkserkrankungen führen weiterhin der Diabetes mellitus Typ 2 und die komplexen Folgen des metabolischen Syndroms wie Koronare Herzkrankheit und Schlaganfall an“, erklärt Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik, Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel. „Dann folgen aber bereits Karzinome wie Dickdarm-, Prostata- und Brustkrebs, die mit Lebensstilfaktoren wie Übergewicht assoziiert sind.“

Aufgrund der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse müsse man davon ausgehen, dass gut 70 Prozent aller auftretenden Dickdarmkarzinome durch eine ausgewogene gesunde Ernährung, wie sie beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, und einen aktiven körperlichen Lebensstil vermeidbar wären. „Dickdarmkrebs ist eine typische Wohlstandserkrankung“, betont der Experte. „Durch einen gesunden Lebensstil kann man präventiv viel erreichen“. Auch in der Tertiärprävention vieler Krebserkrankungen – also bei den Maßnahmen, die man bei einer bereits erfolgten Erkrankung ergreift, um Rezidive zu verhindern – spielt der Lebensstil eine wesentliche Rolle. So konnten große Beobachtungsstudien zeigen, dass beispielsweise das Wiederauftreten von Dickdarmkrebs und Brustkrebs durch ausreichend regelmäßige körperliche Aktivität deutlich reduziert werden könne. „Damit ist körperliche Bewegung und Sport nach unseren heutigen Erkenntnissen so wichtig wie ein Krebsmedikament“, sagt Professor Löser. „Wir wissen heute, dass ein gesunder Lebensstil, der eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung beinhaltet, Krankheiten verhindern kann“, fasst der Experte zusammen.

Diesen Erkenntnissen müssten dringend auch Konsequenzen folgen. „Unser Gesundheitssystem sollte Adipositas endlich als eigenständige, relevante Erkrankung anerkennen und nachhaltige konservative Therapie- und Präventionskonzepte etablieren“, fordert Professor Löser. Ein gesunder Lebensstil sei schon lange kein rein medizinisches oder gesundheitspolitisches Anliegen mehr, sondern habe gravierende ökonomische und soziologische Implikationen. Auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016 in Düsseldorf diskutiert Professor Löser zusammen mit weiteren Experten darüber, was ein gesunder Lebensstil leisten kann und welche Rolle die Ernährung dabei spielt.

*** Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.***


Terminhinweis:

Thementag Innere Medizin: Zukunftstechnologien und Remote Patient Management

Mittwoch, 17. November 2016

10.40 bis 12.00 Uhr
Symposium Ernährungsmedizin: Ernährung – Update 2016
Vorsitz: Prof. Dr. Christian Löser, Kassel

Ernährung als Prävention – was kann ein gesunder Lebensstil leisten?
Prof. Dr. Christian Löser, Kassel

Nutrigenetik und personalisierte Ernährung
PD Dr. Kurt Gedrich, Freising

Ernährung bei Tumorpatienten – moderne Behandlungskonzepte
Dr. Jann Arends, Freiburg


Über die MEDICA EDUCATION CONFERENCE


Die MEDICA EDUCATION CONFERENCE ist eine interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und der Messe Düsseldorf, die unter dem Motto „Wissenschaft trifft Medizintechnik“ vom 14. bis 17. November 2016 in Düsseldorf stattfindet. Sie findet parallel zur MEDICA, der Weltfachmesse für Medizintechnik, täglich, von Montag bis Donnerstag, von 9.00 bis 15.30 Uhr, statt. Durch die klare Zeitstruktur des wissenschaftlichen Programms können die Besucher flexibel zwischen den unterschiedlichen Themen und Sitzungen wählen. Jeden Tag werden zeitgleich drei Parallelveranstaltungen (Sitzungen) und unterschiedliche Kurse zu einem Fokusthema angeboten. Für die Sitzungen ist bereits eine CME-Zertifizierung beantragt, die Kurse sind teils selbst international zertifiziert. Im Anschluss an die Konferenz um 15.30 Uhr besteht für die Teilnehmer die Möglichkeit zum Besuch der MEDICA-Fachmesse bis 18.30 Uhr. Die weltgrößte Fachausstellung bietet mit ihren Technikwelten die perfekte Erweiterung zur Konferenz. Weitere Informationen und das Konferenzprogramm finden Sie unter www.medica.de/mec1.

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