Praxisgebühr reduziert die Zahl unnötiger Arztbesuche

Nicht in den Sand gesetzt:
die 10-Euro-Praxisgebühr
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Das berichten Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin, und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Jonas Schreyögg, die in ihrer Studie nicht nur einen Rückgang der Arztbesuche feststellten, sondern auch Hinweise fanden, dass vor allem auf unnötige Arztbesuche und mehrfache Untersuchungen des gleichen Leidens verzichtet wurde.

Die Wissenschaftler nutzten das sozio-ökonomische Panel (SOEP) des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Dort befragen die Forscher seit 1984 jedes Jahr die gleichen Personen – unter anderem nach dem Einkommen, dem Gesundheitszustand und nach der Zahl der Arztbesuche in den letzten Monaten.

Bei insgesamt 20.821 befragten Menschen zeigte sich: Während 1995 noch statistische 3,2 Arztbesuche im letzten Vierteljahr zu Buche schlugen, waren es 2004 mit 2,5 ein gutes Fünftel weniger Praxisgänge im Quartal. Mehr als ein Drittel dieser Abnahme fiel genau auf den Übergang vom letzten Jahr ohne Gebühr 2003 auf das erste Jahr mit dem Obolus 2004.

Aber fallen auch die unnötigen Arztbesuche weg? Es wäre nicht gut, wenn vor allem kränkere und ärmere Menschen auf nötige Arztbesuche verzichten, nur weil sie sich die Gebühr nicht leisten können. Die ärztliche Schweigepflicht erschwerte die Beantwortung dieser Frage.

Deshalb fragten die Forscher die Interviewten auch nach ihrem Gesundheitsempfinden: Von den Befragten, die sich 2003 gesund oder sehr gesund fühlten, gingen 2004 signifikant weniger zum Arzt als der Durchschnitt aller Befragten. Und wer 2003 über einen weniger guten oder gar einen schlechten Gesundheitszustand klagte, tauchte 2004 erwartungsgemäß häufiger in den Praxen auf als der Durchschnitt. Busse und Schreyögg vermuten deshalb, dass medizinisch notwendige Behandlungen auch nach Einführung der Praxisgebühr vorgenommen werden.

Da in allen Einkommensklassen die Arztbesuche ungefähr gleich stark verringert wurden, scheinen auch Arme nicht stärker unter dem neuen Gesetz zu leiden.

MEDICA.de; Quelle: Technische Universität Berlin