Praxisgebühr spart keine Kosten ein

Die gesetzlich Krankenversicherten zieht
es nach wie vor am häufigsten zum Arzt
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Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Rheinisch- Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) Essen. Die Praxisgebühr führt offenbar lediglich dazu, dass sich die Arztbesuche zeitlich verlagern. Die Kosten im Gesundheitswesen dämpft sie aber nicht.

Die Forscher haben Umfrageergebnisse aus den Jahren 2003 und 2005 miteinander verglichen, also aus der Zeit vor und nach Einführung der Praxisgebühr. Die Befragten sollten jeweils angeben, ob und wie häufig sie in den vergangenen drei Monaten einen Arzt besucht haben. Dabei enthielt die Stichprobe von rund 20.000 Befragten sowohl gesetzlich krankenversicherte Erwachsene als auch privat Krankenversicherte und Jugendliche im Alter von 17 Jahren. Da nur volljährige gesetzlich Versicherte die Praxisgebühr zahlen, dienten die beiden anderen Gruppen als Kontrollgruppen.

Die Wahrscheinlichkeit, in einem Quartal mindestens einen Arzt aufzusuchen, änderte sich innerhalb der drei Gruppen nicht signifikant. Als die Forscher aber die untersuchten Gruppen miteinander verglichen, zeigten sich durchaus Unterschiede. So ist es viel wahrscheinlicher, dass ein gesetzlich Krankenversicherter in einem Quartal einen Arzt aufsucht als ein Privatversicherter. Am seltensten suchen 17-Jährige eine Praxis auf.

Es wurde zwar nicht untersucht wie und ob sich die zeitliche Verteilung der Arztbesuche verändert hat. Die Forscher vermuten jedoch, dass gesetzlich Krankenversicherte versuchen möglichst viele Arztbesuche in einem Quartal zu absolvieren, um die einmal gezahlte Praxisgebühr voll auszunutzen. Somit bewirkt die Praxisgebühr nur, dass die Arztbesuche schneller hintereinander stattfinden. Die Anzahl verringern und somit die Kosten senken, kann sie in dieser Form nicht.

Wissenschaftliche Ergebnisse aus Nordamerika zeigen, dass dieses Ziel besser durch eine Praxisgebühr erreicht werden kann, die zwar geringer ist, dafür aber bei jedem einzelnen Arztbesuch anfällt.

MEDICA.de; Quelle: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung