Die Zellen alter pazifischer Eiben bergen einen wertvollen Schatz: Das hochwirksame Antitumormittel Paclitaxel. Onkologen setzen es gegen Eierstock- und Brustkrebs, aber auch bei Karzinomen in der Lunge ein. Es hemmt die Teilung der Zellen, die dann allmählich absterben. Leider produzieren die langsam wachsenden Eiben den Wirkstoff nur in winzigen Mengen. Paclitaxel komplett chemisch zu synthetisieren, ist zu aufwändig, um wirtschaftlich zu sein.

Forscher suchen daher seit einigen Jahren nach Alternativen. Die Nadeln der kultivierbaren, europäischen Eibe Taxus baccata bieten einen sinnvollen Ansatz. Sie produzieren den Stoff 10-Deacetylbaccatin III (DAB), aus dem sich Paclitaxel in wenigen Schritten herstellen lässt. Das sagen Forscher des Instituts für Bioprozess-und Analysenmesstechnik (iba) in Heiligenstadt. Im Rahmen eines BMBF-Projekts haben die Wissenschaftler eine Methode entwickelt, um DAB biotechnologisch weiter umzusetzen.

"Wir setzen DAB mit einem Enzym um, das aus der Eibe isoliert wurde", erklärt Professor Gerald Lauckner vom iba. "Dadurch entsteht Baccatin III, eine Vorstufe von Paclitaxel, aus der Pharmafirmen dann einfach das Endprodukt synthetisieren können." Das Enzym erzeugen die Forscher preiswert mit Hilfe gentechnisch veränderter Bakterien des wohlbekannten Stamms E. coli. Sie sind in den winzigen Poren einer Membran immobilisiert.

"Die Herstellungskosten sinken mindestens um den Faktor fünf, verglichen mit der Extraktion aus natürlichen Quellen", betont Lauckner. Und er sieht ein erhebliches Potenzial, den Prozess noch weiter zu optimieren. Hierfür suchen die Forscher nun Kontakt zu Industrieunternehmen.

"Mit einem Partner könnte man auch die Übertragung des Prozesses in einen größeren Maßstab angehen," meint Lauckner. Derzeit kann der Prototyp der Anlage in den Labors des iba etwa vier Gramm pro Liter Reaktionslösung herstellen.

MEDICA.de; Quelle: iba - Heiligenstadt