Noch immer ist die Frage nicht restlos geklärt, wieso man sich an Ereignisse erinnern kann, die Jahre zurückliegen. Wissenschaftler hatten schon vor zwei Jahren anhand von Tierexperimenten vermutet, dass Proteine mit der Eigenschaft, eine Prion-ähnliche Struktur anzunehmen, für die Bildung des Langzeitgedächtnisses mitverantwortlich sind. Nun haben Wissenschaftler der Universität Zürich erste Hinweise gefunden, dass dieser Mechanismus auch beim Menschen eine Rolle spielen könnte.

Das Prion-Gen ist durch seine Rolle beim Rinderwahn und bei der Jakob-Creutzfeldt-Krankheit bekannt geworden. Bisher wusste man allerdings nichts über seine normale Funktion beim Menschen.

Das Forscherteam zeigte, dass das Prion-Gen mit dem Langzeitgedächtnis eng zusammenhängt. Dieses Gen kommt beim gesunden Menschen in zwei Varianten (129-Met und 129-Val) vor. Die Forscher haben jetzt nachgewiesen, dass Träger der 129-Met Variante im Vergleich zu Trägern der 129-Val Variante bessere Langzeit-Gedächtnisleistungen haben.

Damit Informationen vom Kurzzeitgedächtnis in den Langzeitspeicher gelangen können, müssen stabile Verbindungen zwischen den Nervenzellen gebildet werden. Genau diesen Prozess könnten Proteine, die Prion-ähnliche Struktur annehmen können, unterstützen.

Mit dieser Studie ist es den Forschern gelungen, erstmals ein Gen für das Langzeitgedächtnis beim Menschen zu identifizieren. Die Wissenschaftler hoffen, dass die Entdeckung dieses und anderer Gene zum Verständnis der Funktionsweise des menschlichen Gedächtnisses beitragen wird und dass dadurch neue Wege zur Behandlung von Gedächtnis-Störungen möglich werden.

MEDICA.de; Quelle: Human Molecular Genetics 2005, Vol. 14, S. 2241–2246