Bestätigt wird diese Meinung durch die Angaben von Befragten zu ihrer eigenen Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung: 56 Prozent der privat Versicherten sind "sehr zufrieden" oder "zufrieden", aber nur 35 Prozent der Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung.

Privatpatienten sind außerdem seltener der Meinung, dass die Qualität der medizinischen Behandlung erhöht werden müsste (46 Prozent im Vergleich zu 55 Prozent der Kassenpatienten). Auch über ihren Hausarzt äußern sich Privatpatienten positiver. So werden ihnen nach eigenen Angaben seltener Medikamente verweigert (1,4 im Vergleich zu 8 Prozent) und häufiger alternative Heilmethoden "auf Krankenschein" verordnet (26 im Vergleich zu 8 Prozent).

Gesetzlich Krankenversicherte geben hingegen häufiger an, dass die Krankenversicherungsbeiträge zu hoch sind (76 im Vergleich zu 67 Prozent) und dass sie zu viele Zuzahlungen für Medikamente und medizinische Leistungen aufbringen müssen (82 zu 64 Prozent). Sie blicken auch skeptischer in die Zukunft: 65 Prozent der GKV-Mitglieder befürchten, dass sie im Alter nicht ausreichend medizinisch versorgt sein werden.

Aus Sicht der Bertelsmann Stiftung ist die unterschiedliche Einschätzung des Gesundheitswesens auch auf die ungleiche Versorgung zurückzuführen, wie Dr. Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung verdeutlichte. "Gesetzlich Versicherte müssen im Vergleich zu Privatpatienten oft längere Wartezeiten, einen geringeren Leistungsumfang und schlechteren Service in Kauf nehmen. Die Anreize dafür liegen in der unterschiedlichen Vergütung ärztlicher Leistungen bei Privat- und Kassenpatienten. Das Vorhaben der neuen Bundesregierung, das ärztliche Vergütungssystem neu zu ordnen, weist in die richtige Richtung."

MEDICA.de; Quelle: Bertelsmann Stiftung