Bei Kindern mit einem geringen Geburtsgewicht tritt die nekrotisierende Enterokolitis mit einer Inzidenz von 2,6 bis 2,8 Prozent auf. Besonders gefährdet sind Frühgeburten, Kinder mit geringem Geburtsgewicht und künstlicher Beatmung, ferner jene Kinder, die mit Glukokortikoiden und Indomethacin behandelt werden und einen geringen Apgar-Score haben. Probiotika wie Bifidobacterium und Lactobacillus findet man im Kot von rund fünf Prozent aller Kinder mit geringem Geburtsgewicht. Eine geringe Kolonisation mit diesen beiden Probiotika könnte ein Risikofaktor für die nekrotisierende Enterokolitis sein.

In einer prospektiven Studie wurde nun untersucht, ob man Kinder mit einem sehr geringen Geburtsgewicht durch Gabe von Lactobacillus acidophilus und Bifibacterium infantis vor einer nekrotisierenden Enterokolitis schützen kann. Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm wurden randomisiert zwei Mal täglich mit den beiden genannten Substanzen neben Brustmilch gefüttert. Die Kinder aus der Kontrollgruppe erhielten nur die Milch alleine.

Neun der 180 Kinder in der Probiotika-Gruppe (fünf Prozent) starben an einer nekrotisierenden Enterokolitis oder erkrankten an einer solchen Kolitis im Stadium Bell stage 2. In der Kontrollgruppe ereilte dieses Schicksal 24 von 187 Kindern (13 Prozent). Eine Enterokolitis im Bell stage größer 2 trat bei zwei der 180 Kinder unter Probiotika auf (1,0 Prozent), aber zehn von 187 Kindern in der Kontrollgruppe (5,3 Prozent).

Bei keinem der Kinder wurden die Blutproben positiv getestet auf Lactobacillus acidophilus und Bifibacterium infantis. Nach statistischen Berechnungen müssen 27 Kinder mit den beiden Probiotika behandelt werden, um eine Erkrankung zu verhindern und 31 Kinder, um einen Todesfall zu verhindern.

MEDICA.de; Quelle: Pediatrics 2005, Vol. 115, S. 1-4