Die Prävalenz der akuten Pankreatitis steigt in Europa. Bei etwa 20 Prozent aller Pankreatitis-Patienten kommt es zu einer nekrotisierenden Pankreatitis, die nicht selten tödlich verläuft. Außerdem kommt es dabei oft zu sekundären Infektionen. Probiotische Lebensmittel können bei Patienten, die sich einer elektiven abdominalen Operation unterziehen, das Risiko infektiöser Komplikationen senken. Verschiedene Experten haben daher vermutet, dass Probiotika auch bei der akuten Pankreatitis nützlich sein könnten.

Dazu liegen nun Studienergebnisse vor. Eine Arbeitsgruppe um Dr. Marc G.H. Besselink vom University Medical Center Utrecht, Utrecht, Niederlande, randomisierte 298 Patienten mit einer akuten Pankreatitis. 153 von ihnen erhielten zwei Mal täglich 28 Tage lang eine Lösung aus verschiedenen Probiotika. 145 dieser Patienten dagegen nahmen Placebo ein.

In der Gruppe der Patienten, die Probiotika bekommen hatten, traten in 46 Fällen (30 Prozent) infektiöse Komplikationen auf. In der Placebo-Gruppe war dies bei 41 (28 Prozent) der Patienten der Fall. Außerdem starben in der Verumgruppe 24 Patienten (16 Prozent), unter Placebo aber nur neun (sechs Prozent). Ähnlich das Bild bei Ischämien im Darmbereich: Dies geschah neun Patienten unter probiotischer Lösung, acht von ihnen starben. In der Placebogruppe dagegen blieb dieses Schicksal allen Probanden erspart.

Diese Ergebnisse sind entmutigend. Probiotische Lebensmittel können also nicht nur keine Infektionen verhindern, sondern scheinen das Risiko für potentiell lebensgefährliche Komplikationen einer akuten Pankreatitis sogar zu erhöhen. Möglicherweise lag dies daran, dass die Studienleiter Bakterienstränge für die probiotische Lösung wählten, die nicht nützlich waren. Bis diese Frage geklärt ist, sollte auf den prophylaktischen Einsatz von Probiotika bei akuter Pankreatitis aber verzichtet werden.

MEDICA.de; Quelle: Lancet Early Online