Produktivitätsverlust durch chronische Krankheiten

Foto: Frau mit Rückenschmerzen

Produktivitätsausfälle werden vor
allem durch Volkskrankheiten wie
Depression und Rückenschmerzen
verursacht;© panthermedia.net/
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Wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Therapietreue und -wirksamkeit setzen sowohl an den Lebensumständen als auch am Verhalten der Betroffenen an. Es geht um Medikamenteneinnahme, Diäten, aber auch um Arbeitsabläufe oder Pausengestaltung. Ohne diese strukturierte Unterstützung verursachen weit verbreitete chronische Krankheiten aktuell in Deutschland dagegen erhebliche Produktivitätsausfälle.

Besonders ins Gewicht fällt dieser Effekt bei Volkskrankheiten wie Depression und Rückenschmerzen. Die Produktivitätseinbußen aufgrund von wiederholten Fehlzeiten oder Arbeitsunfähigkeit liegen bei diesen beiden Krankheitsbildern in Deutschland bei bis zu 21 beziehungsweise 26 Milliarden Euro jährlich und wiegen somit für Arbeitgeber besonders schwer. Das sind die zentralen Ergebnisse der gemeinsamen Studie „Effekte einer gesteigerten Therapietreue” der Bertelsmann Stiftung.

Als einen wichtigen Hemmschuh identifiziert die Studie, dass es bisher kaum ausgereifte Ansätze für eine individualisierte und settingbezogene Therapiebegleitung gibt. „Aktuelle Angebote beschränken sich auf generische Prävention und schrittweise Wiedereingliederungspläne nach der Krankheit. Das Kernproblem ist jedoch, dass Berufswelt einerseits und therapeutischer Kontext andererseits in keinerlei Zusammenhang stehen“, so Peter Behner.

Dabei ist das Potenzial hinsichtlich systemischer Verbesserungen in diesem Segment für die deutsche Volkswirtschaft immens. Schließlich leiden in Deutschland unter der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren 21,2 Prozent an Bluthochdruck, 17 Prozent an chronischen Rückenschmerzen, 8,5 Prozent an Asthma, 5,2 Prozent an Depressionen und 3,8 Prozent an Arthritis. Die Zahlen zu diesen fünf ausgewählten chronischen Erkrankungen untermauern die zentrale Empfehlung der Studie, dass sowohl die Arbeitgeber als auch die Sozialversicherung konsequent in wirksame therapiebegleitende Maßnahmen eingebunden werden müssen.

Gerade bei chronischen Krankheiten spielt neben der verordnungsgemäßen Einnahme der Medikamente oft die langfristige Umstellung der Lebensgewohnheiten eine entscheidende Rolle. „Patienten müssen von der Notwendigkeit einer solchen Umstellung überzeugt sein und gemeinsam mit dem Arzt die Entscheidung über die individuelle Ausgestaltung der Therapie treffen“, so Doktor Brigitte Mohn. Patienten dürften mit dieser Herausforderung nicht allein gelassen werden. Eine umfassende Patienteninformation, Coaching-Programme, aber auch der Austausch mit anderen Betroffenen über spezielle Netzwerke sind von großer Bedeutung. Neben Krankenkassen und Unternehmen muss sich auch der Gesetzgeber seiner Verantwortung in diesem wichtigen Feld bewusst werden, die sich nicht auf den Bereich der Akutversorgung beschränkt.

MEDICA.de; Quelle: Bertelsmann Stiftung