Kein Wirkstoff konnte bislang überzeugen, wenn es um traumatische Hirnverletzungen geht. Methylprednisolon ist möglicherweise schädlich, Magnesium hat enttäuscht und die Hypothermie als nicht-medikamentöses Verfahren liefert unterschiedliche Ergebnisse. Im vergangenen Jahrzehnt ist Progesteron in den Blick der Wissenschaft geraten. Die nicht-neurologischen Wirkungen dieses körpereigenen Wirkstoffes sind bekannt. Allerdings hat Progesteron auch neuroprotektive Wirkungen. Verschiedene Tierstudien haben gezeigt, dass die Verabreichung von Progesteron kurz nach einer traumatischen Hirnverletzung die Gefahr zerebraler Ödeme senken kann und das neurologische Behandlungsergebnis verbessert.

In einer klinischen Pilotstudie sollte Progesteron nun bei Patienten eingesetzt werden, die eine traumatische Hirnverletzung erlitten hatten. 100 Patienten nahmen daran teil. Alle hatten innerhalb der vergangenen elf Stunden eine traumatische Hirnverletzung erlitten. Der Glasgow Coma Scale lag zwischen vier und zwölf Punkten. Vier Fünftel der Patienten (77) erhielten intravenös Progesteron, ein Fünftel (23) eine Placebosubstanz.

30 Tage nach dem Unfall und der jeweiligen Behandlung wurden die Patienten intensiv neurologisch untersucht. Ernste unerwünschte Wirkungen lagen unter Progesteron nicht vor. Die Zahl leichterer unerwünschter Wirkungen war in beiden Gruppen etwa vergleichbar.

Patienten, die mit Progesteron behandelt worden waren, hatten allerdings eine deutliche und signifikant geringere Sterblichkeit als Patienten unter Placebo: Die 30-Tage-Mortalität lag um 57 Prozent geringer.

30 Tage nach dem Unfall hatten schwer verletzte Patienten in beiden Gruppen relativ schlechte Werte im Glasgow Coma Scale. Anders bei den Patienten mit leichteren Verletzungen: Jene, die Progesteron erhielten, zeigten meist deutlich bessere Werte im Glasgow Coma Scale als Patienten unter Placebo.

MEDICA.de; Quelle: Annals of Emergency Medicine 2006, Early Online