Protein fördert Entstehung von Neuroblastomen

Foto: Krebszelle

Es wurde erstmals nachgewiesen,
dass das Protein LIN28B eine
tumorindizierende Wirkung hat;
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Kaulitzki

Eine onkogene, also tumorindizierende Wirkung des Proteins, wird schon seit Längerem diskutiert, konnte bisher jedoch noch nicht nachgewiesen werden. Die internationale Forschergruppe der Universitätsklinik Essen fand in Neuroblastomen eine höhere Aktivierung von LIN28B als in allen anderen Tumoren und Normalgeweben. Dieses Protein unterdrückt die tumorinhibierende Wirkung von MicroRNAs der Let7-Familie und fördert so die Entstehung von Neuroblastomen.

Die Forscher wiesen in Zellkulturexperimenten nach, dass die erhöhte Aktivierung von LIN28B eine massive Erhöhung des Onkogens MYCN bewirkt, das sonst von den Let7-MicroRNAs reguliert wird. MYCN wiederum fördert das Wachstum und die Zellteilung von Neuroblastomzellen. Lebende Mäuse entwickelten bei Experimenten mit einer erhöhten Aktivierung von LIN28B aggressive Neuroblastome, die eine sehr hohe Expression des Onkogens MYCN aufwiesen.

„Mit diesen Experimenten konnten wir erstmals nachweisen, dass es sich bei LIN28B wirklich um ein Onkogen handelt, das die Fähigkeit besitzt, Tumore zu induzieren“, sagt Professor Schulte von der Universitätsklinik Essen. „LIN28B stellt somit den möglichen Ansatzpunkt einer zielgerichteten Therapie des Neuroblastoms dar. Die Entwicklung von Substanzen, die spezifisch LIN28B hemmen, ist bereits in Planung“, erläutert er.

Das Neuroblastom ist der häufigste solide Tumor des Kindesalters und für rund 15 Prozent aller Krebstodesfälle unter Kindern verantwortlich. Daher hat die Suche nach Ansatzpunkten für neue Behandlungsstrategien der Neuroblastome eine hohe Relevanz. Mit dem Ergebnis der Studie ist es nun gelungen, einen solchen Ansatzpunkt zu finden.

MEDICA.de; Quelle: Nationales Genomforschungsnetz