Psychische Begleiterscheinungen seltener als gedacht

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Krebs ist eine große psychische Belastung, aber
die Zahl der Patienten mit psychischen Begleit-
erkrankungen ist kleiner als angenommen;
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Deutschlandweit wurden über 4000 Krebspatienten zu ihren psychischen Belastungen befragt, über 2000 Patienten stellten sich für ein klinisches Interview zur Verfügung – damit ist die UKE-Studie die weltweit größte zu psychosozialen Belastungen und Störungen: „Nicht nur die mit der Erkrankung einhergehenden starken körperlichen Einschränkungen, auch die Auswirkungen der Krankheit auf die eigene Rolle in der Familie, im Beruf und im Alltag führen zu psychischen Belastungen,“ so Professor Martin Härter. „Unsere Studie hat gezeigt, dass zwar bei der Hälfte aller Patienten psychische Belastungen auftreten, weit weniger aber weisen psychische Erkrankungen auf.“

Unterschätzt werde häufig die Belastung durch die oft langwierigen und kostenaufwändigen Krebstherapien, die ambulant fortgeführt werden. Diese hätten oft einen sozialen Einbruch in den Familien zur Folge. Eine adäquate psychoonkologische Versorgung erreiche jedoch häufig nur die Mittelschicht. Die Sorge ums Geld und die Angst vor dem sozialen Abstieg belasten Krebspatienten und ihre Angehörigen oft genauso wie die Erkrankung selbst. „Wir müssen ein stärkeres Bewusstsein für diese Problematik schaffen“, erklärt Frank Schulz-Kindermann: „Vielen ist bewusst, dass bei der Versorgungsgerechtigkeit nachgearbeitet werden muss.“ Aus diesem Grund stand die Jahrestagung der PSO unter dem Titel „Bedarf und Versorgungsgerechtigkeit in der Psychoonkologie“. Wie aktuell das Thema sei, habe auch die große Resonanz auf den Kongress mit über dreihundert Teilnehmern gezeigt.

Ein gesonderter Vortragsstrang widmet sich dem Forschungsverbund „Kinder krebskranker Eltern“: Schätzungsweise 200.000 Kinder und Jugendliche erleben in Deutschland jährlich, dass Vater oder Mutter an Krebs erkranken. Und während es für die Eltern krebskranker Kinder ein umfassendes Unterstützungsangebot gibt, herrsche umgekehrt oftmals Sprachlosigkeit, so Georg Romer, Leiter des Forschungsverbundes: „Die Eltern sind verunsichert, was sie ihren Kindern zumuten können, die Kinder ihrerseits spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist und können von den vielfachen Belastungen durch die Krankheit nicht abgeschirmt werden.“

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf