Psychische Erkrankungen oft unentdeckt

Foto: Depressive Frau

Jeder Zweite spricht psychische
Beschwerden beim Arzt nicht an;
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Grundsätzlich ist der Hausarzt für 87 Prozent der Patienten der erste Ansprechpartner und damit die wichtigste Vertrauensperson im deutschen Gesundheitssystem - auch bei psychischen Beschwerden. Ungefähr zwei Drittel konsultieren sogar ausschließlich ihren Hausarzt. Aber nur bei 8,4 Prozent der Patienten, die wegen psychischer Beschwerden ihren Hausarzt aufsuchten, wurde eine psychische Erkrankung auch diagnostiziert. Wandten sie sich dagegen an einen Spezialisten, berichtete mehr als die Hälfte der Patienten (52,6 Prozent) von einer entsprechenden Diagnose. Dies ist ein möglicher Hinweis darauf, dass in der hausärztlichen Praxis psychische Erkrankungen oft unentdeckt bleiben. Die Ursachen lägen meistens in einer Kombination aus beruflichen und privaten Problemen, teilte die Stiftung mit.

Ein wichtiger Grund dafür scheint in der mangelnden Offenheit der Patienten zu liegen: Nur die Hälfte thematisiert ihre psychischen Beschwerden im Gespräch mit ihrem Hausarzt. Jeder achte Patient mit psychischen Beschwerden bemängelt, "dass psychische Probleme nicht ausreichend zur Sprache kamen". 68 Prozent gaben an, dass dies an ihrem mangelnden Mut gelegen habe. Auffällig ist, dass gerade die "weniger Mutigen" in der Befragung angaben, mit der ärztlichen Versorgung unzufrieden zu sein. Nach ihrer Meinung sei der Arzt mit "seinem Latein am Ende" (30 Prozent) gewesen. Angesichts dieser Enttäuschung neigt diese Gruppe zum Arztwechsel (42 Prozent).

"Wir brauchen sowohl eine bessere Identifikation psychischer Erkrankungen als auch eine besser abgestimmte Behandlung psychisch Kranker. Um das zu erreichen, sind das aktive Nachfragen nach psychischen Beschwerden durch den Arzt und die systematische Diagnostik psychischer Störungen in der Primärversorgung wichtige Ansatzpunkte", interpretiert Timo Harfst von der Bundespsychotherapeutenkammer die Ergebnisse.

MEDICA.de; Quelle: Bertelsmann Stiftung