Psychischen Faktoren mehr Gewicht geben

Notizblock und Stethoskop

Mehr Notizen über die Psyche
© Pixelio.de

Eine Krebserkrankung schwächt nicht nur den Körper: Man schätzt, dass mehr als ein Viertel aller Krebspatienten unter behandlungsbedürftigen psychosozialen Belastungen leiden. Dennoch erwähnen die meisten Krankenhausärzte psychosoziale Aspekte in ihren Entlassungsberichten häufig nicht. Auch wenn der Patient im Krankenhaus psychoonkologisch betreut wurde.

Bevor die Studie an der Psychosomatischen Klinik am Klinikum rechts der Isar der TU München beginnen kann, müssen zunächst die beiden Herzstücke der Untersuchung erstellt werden: Ein Interviewleitfaden, mit dessen Hilfe der behandelnde Arzt den psychosozialen Zustand seines Patienten nicht nur möglichst objektiv, umfassend und valide, sondern auch in sehr kurzer Zeit erfassen kann, liegt bereits vor. Der Psychoonkologe Prof. Peter Herschbach, der die Studie leitet, erläutert: "Der Erhebungsbogen ist sehr überschaubar konzipiert: Es werden insgesamt nur sechs Bereiche mit jeweils fünf unterschiedlichen Belastungsstufen abgefragt. Doch gerade die Konzentration auf das Wesentliche ist oft besonders schwierig - daher stecken in dem Fragebogen auch die Ergebnisse jahrelanger Arbeit."

In den kommenden Monaten werden nun die Mitarbeiter des Projekts aussagekräftige individuelle Textbausteine erstellen, die möglichst genau den psychischen Zustand des Patienten wiedergeben. Diese Bausteine sollen dann nach Ausfüllen des Fragebogens automatisch in den Entlassungsbericht übernommen werden.

Sobald die Textbausteine vorliegen, kann ab Frühjahr 2008 in einer vergleichenden Studie überprüft werden, ob die Erweiterung der Entlassbriefe in der geplanten Form die Versorgung der Patienten verbessert.

Prof. Herschbach beschreibt das Ziel des Projekts: "Wir wünschen uns, dass die Arbeit der Psychoonkologen noch deutlichere Auswirkungen hat, als das momentan der Fall ist. Denn dass der psychoonkologische Befund ebenso zur Gesamtbehandlung des Patienten gehört wie die somatischen Befunde, wird leider viel zu oft bei der Kommunikation zwischen dem stationären und dem ambulanten Sektor ignoriert."

MEDICA.de; Quelle: Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München