Psychiatrische Erkrankungen können vielfältige negative Effekte auf ein Geburtsergebnis haben. Zwangserkrankungen zum Beispiel erhöhen das Risiko für Zangengeburten, verlängerte Geburtswehen und Frühgeburten. Bei Depressionen der Mutter haben die Neugeborenen häufiger ein geringes Geburtsgewicht. Dies gilt auch für die Schizophrenie, die überdies das Risiko für antenatale Hämorrhagien erhöht. Es wäre also sinnvoll, auch Schwangere mit Psychopharmaka zu behandeln. Dies ist aber nicht ungefährlich, da Medikamente bekanntlich Fruchtschäden hervorrufen können.

In diesem Zielkonflikt zwischen Schutz des Kindes und Behandlung der Mutter gibt jetzt das „American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG)“ Hilfestellung. Experten dieser Fachorganisation haben die Leitlinien zum Einsatz von Psychopharmaka überarbeitet. Der neue Text sagt unter anderem:

Lithium während der Schwangerschaft erhöht das Risiko kongenitaler kardialer Fehlbildungen bis zum Siebenfachen. Ähnliches gilt für Valproat, das im ersten Trimester nach Möglichkeit gar nicht eingesetzt werden sollte. Bei Verabreichung von Carbamazepin kann es zum fötalen Carbamazepinsyndrom kommen. Der Einsatz vor allem im ersten Trimester wird nicht empfohlen.

Schwierig sind auch Paroxetin und die Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine. Ist der Einsatz von Paroxetin nicht zu vermeiden, sollten die Kinder wenigstens mit fötaler Echokardiographie überwacht werden.

Weniger problematisch ist Lamotrigin, das bei bipolaren Erkrankungen Schwangerer eingesetzt werden könnte. Im Vergleich zu anderen Wirkstoffen ist Lamotrigin relativ sicher. All diese Empfehlungen sollten aber gegen die möglichen Folgen einer unbehandelten Psychose in der Schwangerschaft abgewogen werden.

MEDICA.de; Quelle: Obstetrics & Gynecology 2008, Vol. 111, S. 1001-1020