Als letzte Hoffnung bei schwersten Depressionen gilt die Elektrokrampf-Therapie. Doch kann sie noch Wochen nach der Behandlung das Erinnerungsvermögen beeinträchtigen. Seit kurzem wird bei dieser Indikation die transkranielle Magnetstimulation (TMS) eingesetzt. Dabei platzieren die Ärzte eine Spule an der Stirn des Patienten. Diese erzeugt für einige Minuten ein starkes pulsierendes Magnetfeld, das seinerseits im Gehirn einen Stromfluss hervorruft. Dieser ist jedoch so gering, dass er keinen epileptischen Anfall auslöst. Der Kranke erlebt die schmerzlose Behandlung bei vollem Bewusstsein.

Wissenschaftler haben in einer Studie insgesamt 30 schwer depressive Patienten entweder mit der Elektrokrampf-Therapie oder der Magnetstimulation behandelt. Beide Methoden wirkten etwa gleich gut: Jeder zweite Kranke verspürte eine Woche nach der Behandlungsserie eine deutliche Stimmungsaufhellung. Die Patienten, die mit Magnetstimulation behandelt worden waren, schnitten nachher in verschiedenen Gedächtnistests ebenso gut oder gar besser ab als vor der Therapie. Bei den Teilnehmern der EKT-Gruppe verschlechterte sich das Erinnerungsvermögen dagegen. Dennoch: Die Magnetstimulation ist kein Wundermittel, zumal sie - wie die EKT – die Depression nicht dauerhaft besiegt. Die Patienten müssen nachher immer noch mit anderen Methoden weiter behandelt werden.

Es sind bereits neue Geräte in der Entwicklung, die noch wirksamer sein könnten. Das von ihnen erzeugte Magnetfeld ist so stark, dass es ebenfalls einen epileptischen Anfall auslösen kann. Anders als bei der EKT bleibt der Stromfluss bei der Magnetkrampftherapie jedoch auf die "Stimmungsregion" im Gehirn beschränkt - der Hippocampus bleibt unbeeinflusst.

MEDICA.de; Quelle: British Journal of Psychiatry 2005, Vol. 186, S. 410-416