Qualität muss von innen entstehen

Insgesamt 30 Mitarbeiter und Führungskräfte der Einrichtung haben die Wissenschaftler mit einem 16 Seiten umfassenden Fragebogen interviewt. Ziel war, beispielhaft die Stärken und Schwächen eines Pflegeheims aufzudecken und konkrete Handlungsempfehlungen auszusprechen. „Es ist viel leichter, Defizite aufzuzeigen, als auf Stärken im Qualitätsmanagement hinzuweisen. Letztlich sind aber die Stärken Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Personal- und Organisationsentwicklung“, sagt der Arbeitswissenschaftler und Leiter der Studie Doktor Martin Kröll.

Was sind zum Beispiel solche Stärken? Die Mitarbeiter zeichnen sich durch eine hohe Leistungsbereitschaft und Verbundenheit mit ihrer Einrichtung aus, zudem durch ein großes Interesse an beruflicher Weiterbildung. Sie zeigen ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein und weisen der ständigen Verbesserung des Pflegeprozesses (KVP) einen zentralen Stellenwert zu. Beschwerden werden schnell bearbeitet, außerdem bewerten die befragten Beschäftigten die Arbeit der Führungskräfte insgesamt positiv. „Vor allem die starke Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Einrichtung und ihrer Arbeit ist eine günstige Voraussetzung für die Weiterentwicklung und dauerhafte Sicherung einer hohen Pflegequalität“, lautet ein Fazit der Studie.

Die Forschergruppe hat aber auch herausgefunden, dass die Einrichtung noch nicht über eine ausgeprägte Feedbackkultur verfügt. Ziel muss ein stärkerer Austausch unter den Mitarbeitern sowie zwischen den Mitarbeitern und den Führungskräften sein, um Fehler künftig vermehrt zum Lernen zu nutzen. Außerdem ist das Teamlernen noch nicht ausgeprägt genug. Die Untersuchung zeigt zudem, dass die Mitarbeiter den Dokumentationsaufwand, den sie in der Qualitätssicherung betreiben müssen, sehr kritisch sehen. Für die Heimleitung ergibt sich daraus die Aufgabe, den Nutzen des Dokumentationsaufwands nachvollziehbarer zu machen. Ein weiteres Ergebnis schließlich: Negative Medienberichte über die schwarzen Schafe der Branche belasten und verunsichern die engagierten Mitarbeiter und können dauerhaft demotivieren.


MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum