"Die allermeisten Ressourcen werden derzeit ohne Nachweis von qualitätsgesicherten Effekten ausgegeben", resümieren die Forscher um Prof. Dr. Karl Lauterbach und PD Dr. Markus Lüngen vom Institut für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universität zu Köln.

Die Kölner Gesundheitsökonomen werteten anhand eines umfassenden Kriterienkatalogs rund 120 Evaluations-Studien aus, die wiederum Präventionsprogramme aus 13 Staaten bewerteten. Ihre Fragestellung: Lassen sich im Ausland Präventions-Konzepte identifizieren, die einer systematischen, methodisch anspruchsvollen wissenschaftlichen Prüfung unterzogen wurden und sich in dieser Evaluation als wirkungsvoll erwiesen?

Der Blick in die internationale Forschung ist aus Sicht der Wissenschaftler zwingend: Die Bundesregierung hat angekündigt, bis 2009 ein Präventionsgesetz vorzulegen. Gleichzeitig ist die systematische Evaluation von Präventionsprogrammen in Deutschland noch wenig entwickelt. Doch auch in den untersuchten Ländern ist eine konsequente wissenschaftsgestützte Qualitätskontrolle bei der Prävention eher selten, attestieren die Forscher. Lediglich Finnland ist in der Systematik schon weiter.

Keine einzige der untersuchten ausländischen Maßnahmen schaffte es, als "in hohem Maße empfehlenswert" eingestuft zu werden. Bei einem Teil lag das daran, dass sich die jeweilige Vorbeuge-Intervention in methodisch anspruchsvollen Checks nur als eingeschränkt effektiv erwies oder gar durchfiel. Häufiger ist Variante zwei: Die Qualität der Bewertungsstudien reichte nicht aus, um ein überzeugendes Urteil über die Wirksamkeit abzugeben. "Insgesamt ist die Zahl der Interventionen zwar extrem hoch, die Zahl der Evaluationen mit genügend hohem Qualitätsanspruch jedoch extrem klein", resümieren die Forscher.

MEDICA.de; Quelle: Hans-Böckler-Stiftung