Qualitätsinstitut IQTIG soll medizinische Versorgung gewährleisten

16/11/2015

Dr. Christof Veit; © IQTIG

Am 9. Januar 2015 wurde die Gründung des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) von den Partnern der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen und dem Bundesministerium für Gesundheit erfolgreich vollendet. Es soll Maßnahmen zur Qualitätssicherung und zur Darstellung der Versorgungsqualität im Gesundheitswesen erarbeiten und deren Umsetzung mitgestalten.

MEDICA.de sprach vorab mit Dr. Christof Veit, Leiter des IQTIG, über die Aufgaben des Instituts und den konkreten Vorteil für die Patienten. Im MEDICA ECON FORUM wird er außerdem über die Erwartungen sprechen, die an das Institut gestellt werden.

Herr Dr. Veit, das IQTIG wurde im Januar 2015 gegründet und wird 2016 seine Arbeit aufnehmen. Wie ist der aktuelle Stand beim Aufbau des neuen Instituts?


Derzeit besteht das Team des IQTIG aus 63 Mitarbeitern aus verschiedensten Berufszweigen, darunter unter anderem Ärzte, Pflege- und Gesundheitswissenschaftler, Statistiker, Gesundheitsökonomen und IT-Fachleute. Anfang nächsten Jahres wird das Team auf etwa 80 Mitarbeiter anwachsen.

Derzeit werden die Organisation und ihre Ausstattung noch aufgebaut, während in verschiedenen internen Arbeitsgruppen bereits methodisch und inhaltlich gearbeitet wird. Die Daten und Materialien aus den bisherigen Verfahren werden bereits schrittweise übernommen und die neuen Projekte vorbereitet.

Welche konkreten Aufgaben wird das IQTIG übernehmen?

Das IQTIG wird zum 1. Januar 2016 die bisher bestehenden Verfahren der externen Qualitätssicherung weiterführen und erstmals wird im Bereich Herzkatheter ein sektorenübergreifendes Verfahren gestartet. Künftig sollen die Verfahren schlanker und effektiver gestaltet werden. Insbesondere sollen die Methodik und Praxis der neuen qualitätsbezogenen Steuerungsinstrumente, die das Krankenhausstrukturgesetz vorsieht, entwickelt und zur Praxisreife gebracht werden.

Weiterhin sollen den Patienten und Versicherten verständliche Informationen zur Versorgungsqualität zur Verfügung gestellt werden, die ihnen bei der Suche nach einem guten und für sie geeigneten Krankenhaus helfen.

Welche besonderen Erwartungen wurden im Vorfeld der Gründung an das IQTIG gestellt?

In der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens soll der Versorgungsqualität eine zentrale Steuerungsaufgabe zukommen. Hierzu muss sie klar definiert, valide, praktikabel und justiziabel gemessen und verständlich dargelegt werden. Neben der Erfassungsdaten werden Sozialdaten und Patientenbefragungen künftig eine wichtige Rolle spielen. Dabei sollen die Verfahren zunehmend sektorenübergreifend realisiert und neue Leistungsbereiche einbezogen werden.

Das IQTIG wird die methodischen und praktischen Grundlagen hierfür erarbeiten und mit den verschiedenen Partnern der externen Qualitätssicherung umsetzen. Dabei kann auf viele bereits bestehende Instrumente zurückgegriffen werden. Neuland müssen wir jedoch trotzdem betreten. Hier liegen sehr große und schwierige Aufgaben für das IQTIG. Die Bürokratie soll dabei reduziert und die Effektivität der Qualitätsvergleiche weiter erhöht werden.

Die Qualitätssicherung muss denen nutzen, die Patienten versorgen. Nur so kann die kontinuierliche Verbesserung der Versorgungsqualität sinnvoll unterstützt werden. Exzellente Qualität soll gezielt gefördert und anhaltend mangelhafte Versorgungsqualität gestoppt werden.

Was sind die konkreten Vorteile für die Patienten, die sich aus der Arbeit des IQTIG ergeben?

Die Patienten können sich durch die Weiterentwicklung der Qualitätssicherungsverfahren noch mehr auf eine flächendeckend gute bis sehr gute medizinische Versorgung verlassen und sich anhand der veröffentlichten Daten besser als bisher orientieren, insbesondere bei der Auswahl der Ärzte und Krankenhäuser, denen sie sich anvertrauen wollen.

In Bereichen, in denen derzeit die Bevölkerung oft Anlass zur Sorge sieht, zum Beispiel bezüglich angemessener Indikationsstellung oder schützender Hygiene, sollen die Ergebnisse der Qualitätsmessungen sichtbar machen, mit welchen Maßnahmen bestehende Mängel nachhaltig behoben oder durch Sanktionen abgestellt werden.

Damit kann anhand konkreter und kritischer Daten das Vertrauen in das Gesundheitswesen insgesamt gestärkt werden. Dieser selbstkritische, fördernde Umgang mit Versorgungsqualität soll es auch ermöglichen, künftig weiterhin Menschen zu motivieren, im Gesundheitswesen für die Patienten mit besten Erfolgen zu arbeiten.

 
 
Foto: Daniel Stöter

© Barbara From-
mann-Czernik






Das Interview führte Daniel Stöter
MEDICA.de