Rätsel um die Entstehung von Tumoren gelöst

Foto: Keimzentrum des Immunsystems

In den Keimzentren des Immun-
systems (hier in der Milz einer
Maus) lernen Immunzellen, sich
spezifisch auf Erreger
einzustellen;© MDC

Zugleich konnten die Forscher zeigen, dass dieses Gen, MYC genannt, für die Bildung und Aufrechterhaltung der Keimzentren notwendig ist. Ihre Erkenntnisse sind auch für die Entstehung von B-Zell-Lymphomen, bei denen das MYC-Gen oft besonders hoch ausgeprägt ist, von Bedeutung.

Das MYC-Gen reguliert in vielen Zellen des Körpers den Zellzyklus, also die Zellvermehrung. Bei vielen B-Zell-Lymphomen ist MYC übermäßig aktiv, da es fehlerhaft an eine andere Stelle im Erbgut verschoben wurde (chromosomale Translokation). Das jedoch stellte die Wissenschaft bisher vor Rätsel, denn Translokationen von MYC können nur in solchen Zellen stattfinden, in denen das Gen aktiv ist. „In den B-Zellen der Keimzentren, aus denen die meisten Lymphome hervorgehen, ließ sich aber bisher keine MYC-Aktivität nachweisen“, sagt Rajewsky. Es war also unverständlich, weshalb sich aus B-Zellen der Keimzentren dennoch Lymphome mit erhöhter MYC-Aktivität entwickeln.

Keimzentren befinden sich in den Lymphorganen, also in der Milz, den Lymphknoten und in den Peyer´schen Platten im Darm. Hier werden die B-Zellen mit Krankheitserregern konfrontiert und vermehren sich rapide. Damit das Immunsystem der großen Vielfalt an Erregern gewachsen ist, müssen die B-Zellen ihr Erbgut verändern, einerseits durch Mutationen, andererseits, indem sie ihre DNA auseinanderschneiden und neu zusammenfügen. Das ermöglicht ihnen, hochspezifische Antikörper herzustellen, um Krankheiten effektiv zu bekämpfen. Allerdings sind diese Prozesse, also schnelle Vermehrung und Veränderung des Erbguts, mit einer hohen Fehlerrate verbunden, sodass die Wahrscheinlichkeit für bösartige Veränderungen der B-Zellen in Keimzentren besonders hoch ist. „B-Zell-Lymphome sind der häufigste Lymphomtyp beim Menschen. Die meisten entwickeln sich entweder aus B-Zellen in den Keimzentren oder aus B-Zellen, die die Keimzentrumsreaktion durchlaufen haben“, erklären Calado und Rajewsky.

Die Forscher wiesen nach, dass es in den Keimzentren Untergruppen von B-Zellen gibt, in denen das MYC-Gen aktiv ist. Weiterhin zeigten sie, dass MYC sogar essentiell ist für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Keimzentren. Blockierten die Forscher MYC, konnten sich keine Keimzentren bilden. „Die MYC-positiven Subpopulationen von Keimzentrums-B-Zellen bergen ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Lymphomen und in der Tat könnten sich viele B-Zell-Lymphome von Zellen dieser Subpopulationen ableiten“, so Calado und Rajewsky.

MEDICA.de; Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)