Bei Patienten mit einem Prostatakarzinom kann es zu einer Kompression des Rückenmarks durch Metastasen kommen. Allerdings ist bei dieser Patientengruppe die Prognose solcher metastatischen Rückenmarkskompressionen besser als bei anderen Ursachen. So kann es nach einer radiologischen Behandlung von Rückenmarkskompressionen zu einem Redzidiv kommen.

In der Tat wird die radiologische Therapie bei metastatischer Rückenmarkskompression in Folge eines Prostatakarzinoms am häufigsten eingesetzt. Dies ist jedoch mit Unannehmlichkeiten für den Patienten verbunden. Kurzzeitige Radiotherapie scheint daher am besten geeignet. In einer Studie sollte nun untersucht werden, welche Patientengruppe am besten von einer lang dauerenden Radiotherapie profitiert und in welchen Fällen man besser nur kurz radiologisch behandelt.

281 Patienten nahmen an der Studie teil. Alle waren zwischen 1992 und 2003 radiologisch wegen einer Knochenmarkskompression behandelt worden. Bei 86 Prozent der Patienten besserten sich dadurch die Beschwerden. 33 Prozent jener Patienten, die zuvor nicht gehen konnten, gewannen diese Fähigkeit zurück. Abhängig war das Ergebnis auch von der Zeitdauer, zu der bereits motorische Defizite bestanden hatten und von der Anzahl der betroffenen Wirbel. Patienten, die eine längere radiologische Behandlung erhielten, hatten auch bessere lokale Ergebnisse.

Die Forscher empfehlen daher, Patienten mit einer guten Prognose länger dauernd zu bestrahlen, um die Gefahr von Rezidiven zu verringern. Patienten mit einer kurzen zu erwartenden Lebensdauer dagegen sollten nur kurzzeitig bestrahlt werden. Das zu erwartende geringfügig schlechtere lokale Ergebnis wird aufgewogen durch die geringeren Unannehmlichkeiten einer solchen kurzzeitigen Bestrahlung.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Urology 2006, Vol. 175, S. 552-556