Rückenschmerzen minimalinvasiv behandeln

Foto: Männlicher Rücken

Bei zwei Drittel der Patienten kam
es nach der Behandlung zu einer Lin-
derung der Schmerzen um mehr als
50 Prozent; © sergej23/pixelio.de

Rückenschmerzen können von vielen Strukturen der Wirbelsäule ausgehen. Häufiger als die Bandscheiben sind die Zwischenwirbelgelenke (Facetten), die Verbindung von Becken und Wirbelsäule oder die Nervenwurzeln betroffen. In diesen Fällen kann die Injektion eines Betäubungsmittels zusammen mit dem Medikament Kortison helfen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Arzt die oft nur wenige Millimeter großen Schmerzauslöser auch trifft. Diese Eingriffe werden deshalb unter Röntgenkontrolle durchgeführt. „Die Computertomografie (CT) hat dabei unsere Möglichkeiten deutlich verbessert: Die Darstellung ist wesentlich genauer. Wir können die Nadel jetzt punktgenau platzieren, bevor wir das Medikament injizieren“, sagt Professor Olav Jansen, DGNR-Präsident.

„Die CT-Überwachung verbessert nicht nur die Erfolgsrate, sondern erhöht auch die Sicherheit. Das Risiko, bei dem Eingriff das Rückenmark oder rückenmarksversorgende Gefäße zu schädigen, ist äußerst gering“, berichtet PD Ansgar Berlis, Chefarzt der Neuroradiologie am Klinikum Augsburg. Bei dem Eingriff führen die Ärzte nach einer ersten CT-Aufnahme die Nadel in Richtung der Nervenwurzel vor. Dann machen sie eine Kontrollaufnahme, auf denen die genaue Position der Nadel zu erkennen ist. So kann – falls nötig – nachjustiert werden. Die Injektion erfolgt erst, wenn die Spitze der Nadel ihre Zielposition erreicht hat.

Wichtig ist, dass diese minimalinvasive Schmerztherapie durch eine medikamentöse und physikalische Therapie, wie zum Beispiel eine Sport- und Bewegungstherapie, ergänzt wird. „Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die minimal-invasive Schmerztherapie sicher ist und einen guten Effekt erzielt. Eine individuell abgestimmte Begleitbehandlung unterstützt diesen maßgeblich und ist für den Gesamterfolg der Therapie unerlässlich“, so Berlis. Eine erneute minimalinvasive Therapie ist selbstverständlich möglich, da die Schmerzen zurückkehren können. Der Experte warnt jedoch davor, diese regelmäßig auf Dauer durchzuführen. Denn auch bei einem minimalinvasiven Eingriff können Nebenwirkungen wie Infektionen auftreten.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften