Langjähriger Diabetes mellitus führt zur diabetischen Neuropathie, in deren Verlauf auch das Schmerzempfinden schwinden kann: Kleine Verletzungen werden nicht wahrgenommen und können zu Entzündungen und Hautgeschwüren führen.

Offenbar trägt das Schlüsselprotein RAGE maßgeblich zur Entstehung der Nervenschäden bei. RAGE konnte bereits bei verschiedenen chronischen Entzündungs- und Alterungsprozessen, zum Beispiel der Sepsis, identifiziert werden. Bei dem Regulatormolekül handelt es sich um einen Rezeptor, der auf der Oberfläche von Zellen sitzt. Er erkennt und bindet bestimme Eiweißstoffe, vor allem "AGE" ("Advanced Glycation End products"). Unter Aktivierung des Moleküls NFkappaB werden Entzündungsprozesse in Gang gesetzt.

Nun konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Menge an RAGE und an aktiviertem NfkappaB in Nervenzellen von Diabetes-Patienten mit Neuropathie eindeutig erhöht ist. Außerdem ist im Mausmodell die Entzündungs-Kaskade unterbrochen worden. Dazu behandelten die Wissenschaftler genetisch veränderte Mäuse mit Diabetes mit einer löslichen Form von RAGE. Dieses sRAGE (soluble RAGE) fängt die Bindemoleküle AGE ab, bevor sie das in der Zellmembran verankerte RAGE erreichen. Dadurch vermindert sich auch die Aktivität von NFkappaB, die Mäuse zeigten ein deutlich verbessertes Schmerzempfinden.

Ein weiterer Hinweis auf den RAGE-Einfluss: Diabetischen Mäusen, die keine RAGE-Rezeptoren entwickeln, bleibt das Schmerzempfinden (trotz Diabetes) erhalten. Bisher gibt es kaum Therapiemöglichkeiten für Patienten mit chronischer Nervenentzündung. Das Schlüsselmolekül RAGE könnte ein Ansatzpunkt für neue Behandlungsformen werden.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Clinical Investigation 2004, Vol. 114, S. 1741-1751