16.11.2007

Siemens AG, Medical Solutions

RHÖN-KLINIKUM, ISST und Siemens stellen Status der elektronischen Fallakte vor

Die RHÖN-KLINIKUM AG, das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik
ISST und Siemens Medical Solutions diskutierten auf der Medica 2007 den Status
der elektronischen Fallakte (eFA). Gleichzeitig gaben sie einen Ausblick auf die
Zukunft dieser Plattform für den einrichtungs- und sektorenübergreifenden
Datenaustausch im Gesundheitswesen. Siemens startet im Dezember ein
Pilotprojekt zur elektronischen Fallakte. Dabei werden zwei namhafte Klinikketten, darunter die RHÖN-KLINIKUM AG, zum ersten Mal untereinander Daten austauschen. Siemens ist damit der erste Industriepartner, der die eFASpezifikation
des Fraunhofer ISST inklusive der so genannten Peer-to-Peer-
Kommunikation vollständig umgesetzt hat. „Die elektronische Fallakte optimiert den Behandlungsprozess, indem sie die Vernetzung aller Leistungserbringer im Gesundheitswesen unterstützt. Dabei wollen wir Applikationen
beisteuern, die Mehrwert für andere Dienste wie zum Beispiel die Gesundheitskarte
haben“, erklärte Volker Wetekam, Leiter des Geschäftsgebiets Global Solutions bei Siemens Medical Solutions. „Die eFA-Initiative stärkt die Position der jeweiligen Leistungserbringer und reduziert Kosten, da die einzelnen Häuser sich stärker auf ihre Fachgebiete spezialisieren können, wenn die Zusammenarbeit untereinander vereinfacht wird. Mit dieser Initiative könnten wir nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zum Trendsetter werden.“ Die RHÖN-KLINIKUM AG betonte, dass sie besonderen Wert auf Datenschutz und die
Berücksichtigung bestehender Systeme und Standards legt. „Die RHÖN-KLINIKUM AG war ein Teilnehmer der ersten Stunde, als das eFA-Konzept geboren wurde, und gehört zu den Vorreitern des Einsatzes von moderner Informationstechnologie im klinischen Bereich in Deutschland, was sich auch in unserem Konzept der Tele-Portal-Kliniken
widerspiegelt“, erläuterte Dietmar Pawlik, CFO, RHÖN-KLINIKUM AG, Bad
Neustadt/Saale. "Die Tatsache, dass wir im nächsten Monat die Fallakte bereits zwischen
zwei Klinikbetreibern testen werden, beweist, dass wir unser System von Anfang an als
offenes System aufgesetzt haben. Wir möchten uns mit anderen Kliniken, die mit
unterschiedlichen Systemen arbeiten, bei der Leistungserbringung vernetzen. Dadurch erreichen wir Interoperabilität über Sektoren und Träger hinweg.“
Das Fraunhofer ISST stellte die nächsten Schritte in Sachen eFA vor: Das Projekt soll nun als eine gemeinsame Initiative des gesamten stationären Sektors in die Fläche gebracht und die Umsetzung der Spezifikationen zentral koordiniert werden. Dabei werden die Spezifikationen kontinuierlich weiterentwickelt und – wie auch bereits in der Vergangenheit – mit anderen Akteuren wie gematik, VHitG und IHE abgeglichen. „Die
vom Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik im Auftrag des Konsortiums spezifizierte elektronische Fallakte ist auf dem besten Weg, sich als Lösung für die einrichtungs- und sektorübergreifende Kommunikation im deutschen Gesundheitswesen zu etablieren. Dass zwei Klinikbetreiber mit unterschiedlichen technischen Systemen in Kürze digitale Daten austauschen werden, demonstriert das Potenzial einer herstellerunabhängigen Spezifikation“, so Jan Neuhaus, stellv. Abteilungsleiter Business
Communication Management am Fraunhofer ISST. Wenn die Kommunikation zwischen Niedergelassenen und Krankenhaus elektronisch abläuft, geschieht das derzeit über von verschiedenen Herstellern entwickelte Portale. In Zukunft soll die komplette Behandlung eines Patienten vom primären Sektor über die Einweisung und die Behandlung im Krankenhaus bis hin zur Nachsorge über die elektronische Fallakte ablaufen. Im Unterschied zur elektronischen Patientenakte konzentriert sich die eFA nur auf den jeweiligen Krankheitsfall. Das heißt, die an der Behandlung Beteiligten erhalten nur Zugriff auf die zum vorliegenden Behandlungsfall gehörenden Daten und nicht auf die lebenslange Akte mit der gesamten Patientenhistorie. Für die notwendige Zustimmung des Patienten liegt damit eine verständliche Zweckbindung vor. Die Daten selbst können über einen "Fat Client" oder browserbasiert über SOAP (Simple Object Access Protocol)-Webservices von allen behandelnden Ärzten eingesehen werden, während die Datenerzeugung und -speicherung in den IT-Systemen der jeweiligen Leistungserbringer erfolgt. Es kommt keine zusätzliche zentrale Datenhaltung hinzu, sondern es werden Referenzierungen auf die gekapselten Daten generiert. Die Fallakten lassen sich nur nach erfolgreicher Authentifizierung zum Beispiel mit einem Heilberufeausweis einsehen.