Die „International Diabetes Federation“ schätzt, dass im Jahre 2003 194 Millionen Menschen in den asiatischen Ländern an einem Diabetes mellitus Typ 2 litten. Bis zum Jahre 2025 wird sich die Zahl nach aktuellen Schätzungen auf 333 Millionen Menschen fast verdoppeln. Zwar ist die Prävalenz des Diabetes mellitus Typ 2 in den USA noch immer höher als in Asien – sie verdoppelte sich innerhalb von 40 Jahren von vier auf acht Prozent – aber in China hat sich die Prävalenz zwischen 1980 und 1996 von 1,0 auf 3,2 Prozent mehr als verdreifacht. Ähnliches gilt für Korea, Indonesien und Thailand.

Die Länder Asiens gehören zu den bevölkerungsreichsten der Erde. Und gerade in diesen Ländern haben sich in den letzten Jahren starke gesellschaftliche, demographische und auch epidemiologische Veränderungen vollzogen, was vermutlich zu diesem Problem beiträgt.

Der Anstieg des Diabetes mellitus-Prävalenz in Asien unterscheidet sich von jenem in anderen Teilen der Welt: Die Prävalenz steigt schneller als anderswo, es sind deutlich mehr junge Menschen betroffen und Personen mit einem geringeren Body Mass Index (BMI) als in anderen Regionen der Welt.

Möglicherweise ist die starke Urbanisierung der letzten Jahre eine der Ursachen für die Zunahme der Diabetes-Fälle, die in manchen Regionen bereits epidemiologische Ausmaße angenommen hat. Allerdings vermuten die Wissenschaftler inzwischen auch genetische Ursachen. Ein Vergleich mit Europäern zeigt zum Beispiel, dass Asiaten bei einem vergleichbaren BMI deutlich mehr Körperfett haben und zu eher abdominal betonten Formen des Übergewichts neigen als Europäer. Dies bedeutet, dass Asiaten bereits bei einem geringeren BMI Insulinresistenz zeigen. In einigen asiatischen Populationen hat man zudem eine gewisse Neigung zu Dysfunktionen der Insulinsekretion festgestellt.

MEDICA.de; Quelle: The Lancet 2006, Vol. 368, S. 1681-1688