Rationierung im Gesundheitswesen bestätigt

Durchgeführt wurde die Studie unter Leitung der Medizinethiker Georg Marckmann und Daniel Strech. Über drei Viertel der antwortenden Ärzte (77 Prozent) bestätigten, mindestens einmal aus Kostengründen eine für den Patienten nützliche Maßnahme nicht durchgeführt beziehungsweise durch eine preiswertere und zugleich weniger effektive Leistung ersetzt zu haben.

Trotz der weiten Verbreitung scheint es sich dabei noch um ein relativ seltenes Phänomen für den einzelnen Arzt zu handeln: Nur 13 Prozent der Studienteilnehmer berichteten, mehr als einmal pro Woche nützliche Leistungen aus Kostengründen vorenthalten zu müssen. Trotzdem beeinträchtige diese Situation nicht nur die Arbeitszufriedenheit der Ärzte, sondern auch das Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Ärzten.

Vor dem Hintergrund der international vergleichbar hohen Gesundheitsausgaben in Deutschland ist es kritisch zu bewerten, dass nur ein gutes Drittel der Befragten glaubte, Leistungsbegrenzungen ließen sich durch wirtschaftlicheres Arbeiten der Ärzte vermeiden. Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass Ärzte es nicht grundsätzlich ablehnen, Verantwortung für Rationierungsentscheidungen zu übernehmen. Jedoch äußerte knapp drei Viertel der Ärzte klar das Bedürfnis nach einer Regelung "oberhalb" der individuellen Arzt-Patient-Beziehung.

MEDICA.de; Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen