Notfallmedizin: Reanimationsregister wird erweitert

25/09/2013
Foto: Rettungsdienst

Durch das Reanimationsregister können u.a. Notärzte von den Erfahrungen ihrer Kollegen besser profitieren; © panthermedia.net/Elvira Gerecht

Mit dem Deutschen Reanimationsregister hat die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) die größte überregionale Datenbank in Deutschland zur Erfassung und Auswertung von Wiederbelebungsmaßnahmen etabliert.

Mehr als 35.000 Daten zu Wiederbelebungsmaßnahmen von 235 Kliniken und Notarztstandorten in Deutschland wurden hier zusammengetragen. „Mit dem Deutschen Reanimationsregister liefern wir einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung sowie Forschung im Bereich der Notfallmedizin. Das Überleben der Patienten steht dabei stets im Mittelpunkt unseres Handelns“, erläutert Prof. Christian Werner, Präsident der DGAI.

Bereits seit 2007 erfasst das Deutsche Reanimationsregister der DGAI bundesweite Daten zu Wiederbelebungsmaßnahmen nach einem plötzlichen Herzstillstand. Somit wird der aktuelle Status der in Deutschland durchgeführten Erstversorgung durch Notarztteams sowie die Weiterversorgung und anschließende Langzeitbeobachtung im Krankenhaus dokumentiert. „In diesem Jahr wurde das Register um ein neues Modul erweitert. Seit Juli 2013 gibt es eine Erfassungs- und Auswerteoption für innerklinische Notfälle. Neben der Reanimation steht hier die Versorgung kritisch erkrankter Patienten mit dem Ziel der Verhinderung eines Kreislaufstillstandes im Vordergrund. Ende des Jahres gehen zwei weitere Ergänzungen an den Start“, berichtet Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Ärztlicher Leiter Notfallmedizin an der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, der das Deutsche Reanimationsregister führend betreut. Ab Dezember 2013 folgt das Modul „Qualitätsmanagement Telefon-Reanimation“. Mit diesem können die vom Leitstellenpersonal telefonisch angeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen durch Laien erfasst und analysiert werden.

„Die wissenschaftliche Betrachtung der Telefon-Reanimation außerhalb von Studien ist somit weltweit erstmals systematisch möglich“, erklärt Gräsner. Die sogenannte Telefon-Reanimation ist eine Möglichkeit, die Anzahl der Laienreanimationen nachhaltig zu steigern. Denn Daten des Reanimationsregisters haben gezeigt, dass in Deutschland in nur 15 bis 17 Prozent der Fälle lebensrettende Sofortmaßnahmen ergriffen werden. Weiterhin wird ein spezielles Modul für die Erfassung und Analyse der Weiterversorgung von Neugeborenen, Säuglingen und Kindern etabliert. Die Behandlung dieser speziellen Patientengruppe stellt hohe Anforderungen an Ärzte, Pflege und Ausstattung.

Das Prinzip des Reanimationsregisters ist so einfach wie effektiv: Die nach einem plötzlich auftretenden Herzstillstand durchgeführten Wiederbelebungsmaßnahmen der freiwillig am Reanimationsregister angeschlossenen Rettungsdienste und Kliniken werden erfasst, ausgewertet und beurteilt. Beispielsweise werden Einsatzzeiten sowie Werte zu Blutdruck, Herzfrequenz, Beatmung und der Einsatz von Elektroschock dokumentiert. „Die umfangreiche Datenbasis ist nicht nur Grundlage für die notfallmedizinische Versorgungsforschung“, veranschaulicht Gräsner den Nutzen des Registers. „Vielmehr ermöglicht es ein gezieltes Qualitätsmanagement zur Verbesserung der Patientensicherheit.“ Eine Stärken- und Schwächenanalyse der Reanimationsbehandlungen ermögliche es, gezielte Optimierungsmaßnahmen zum Wohle der Pateinten einzuleiten.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften