10.10.2013

opta data Gruppe

Referenten gaben Physiotherapeuten Einblick in ihre Arbeit

Klaus Eder, Chef-Physiotherapeut der deutschen Fußballnationalmannschaft, war Referent beim ExpertenFORUM in München

Essen, 10. Oktober 2013 – Beim ExpertenFORUM „Physiotherapie in der Offensive“ am 19. September 2013 in der Münchener Allianz Arena lieferten Referenten wie Klaus Eder, Chef-Physiotherapeut der deutschen Fußballnationalmannschaft, und Faszienforscher Dr. Robert Schleip interessante Einblicke in ihre Arbeit. Über 200 Physiotherapeuten folgten der Einladung der opta data Gruppe und der ETL ADVISION zum dritten ExpertenFORUM. Dabei stand neben therapeutischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Themen auch der gegenseitige Erfahrungsaustausch im Fokus.


Was hat es mit den Faszien auf sich? Und wieso sind die Faszien derart in den Fokus der Wissenschaft gerückt? Auf diese und weitere Fragen ging Klaus Eder in seinem Vortrag „Die Bedeutung der Faszien in der Behandlung von Hochleistungssportlern“ ein. Dabei stellte er heraus: Der Zustand der Faszien spielt bei der körperlichen Fitness eine bedeutende Rolle. „Faszien sind eine Struktur, die alles miteinander verbindet. Von Kopf bis Fuß steht alles in Verbindung“, so Eder. Dabei machte er mit einer strukturellen Darstellung des Bindegewebes klar: Faszien haben einen gelartigen Zustand – eine wichtige Voraussetzung, um Wasser zu speichern. Im Körper laufe täglich ein riesiger Energietransfer ab. „Wenn der nicht stimmt, erfolgt ein Leistungseinbruch“ – bei Hochleistungssportlern eine Katastrophe.


Faszination Faszien
Wenn beim Fußballspiel plötzlich die Physiotherapeuten auf den Platz gerannt kämen, weil das myofasciale System etwa in Form eines Muskelfaserrisses beeinträchtigt wird, würden sich nicht nur die Fans häufig die Frage stellen: „Was machen die Schauspieler da auf dem Platz? Soll direkt der Bestatter kommen? Oder sind das alles nur rituelle Handlungen, die ausgeführt werden?“, berichtete Eder. Doch genau hier setzen die Physiotherapeuten mit ihrer Arbeit an – und Eder speziell bei Hochleistungssportlern. Denn: Sofortmaßnahmen am Platz sind besonders wichtig, um den Sportler schnellstmöglich wieder fit zu machen: „Es gibt keine Bagatellverletzung.“


Im wahrsten Sinne des Wortes fasziniert waren die Teilnehmer von Dr. Robert Schleip. Der Faszienexperte sprach über die Entwicklung der Bindegewebsforschung: „Früher war es schwer, Faszien per Ultraschall zu messen. Schließlich sind sie nur millimeterdick.“ Heute sei die Forschung weiter und sehe Faszien nicht nur als „etwas, das irgendwie da ist“, sondern als „körperweites, anpassungsfähiges Zugspannungsnetzwerk“.


Und dies verbildlichte Schleip den Teilnehmern mit einer Übung zum Flexions-Relaxations-Phänomen. „Man sollte sich ruhig häufiger mit rundem Rücken beugen. Denn wenn man sich immer nur mit geradem Rücken beugt, bildet sich nur eine ganz dünne Faszienschicht“, erklärte er den Teilnehmern. „Und wenn man sich dann mal mit krummem Rücken zum Beispiel zum Schneeschippen beugt, wundert man sich, wieso man direkt Rückenschmerzen bekommt.“ Vor allem beim Sport habe man früher gedacht, dass nur das Muskeltraining wichtig sei und das Bindegewebe „irgendwie mittrainiert“ werde, aber inzwischen sei man schlauer: Denn Faszien ermöglichen eine federnde, elastische Bewegung. Zur effektiven Faszien-Therapie berichtete Schleip über den Fazer von ARTZT, der die menschliche Hand ersetzt und eine gezieltere und tiefer gehende Behandlung ermöglicht.


Neuigkeiten in der Abrechnung und beim eHBA
Christoph Soldanski, Stabsbereichsleiter Leistungs- und Vertragsmanagement Heilmittel der opta data, ging in seinem Vortrag auf „Stolperfallen“ in der Abrechnung ein. Dabei gab er Tipps, wie sich ärgerliche Absetzungen verhindern lassen. Dass Soldanski mit seinem Vortrag den Nerv der Teilnehmer traf, zeigte die lebhafte Diskussion, in der die Teilnehmer über ihre Erfahrungen in der Abrechnung berichteten. Dabei stellte Ute Repschläger, Vorsitzende des IFK e.V., das Modellprojekt des elektronischen Heilberufsausweises (eHBA) vor. Ziel der interdisziplinären Kooperation ist es, Anwendungen des eHBA, dem Pendant zur elektronischen Gesundheitskarte, zu testen und zum bundesweiten Einsatz weiterzuentwickeln.


Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Einblick in seine Arbeit mit den Profis des FC Schalke 04 gab Holger Just, Leiter der Therapie von medicos.Auf Schalke, in seinem Vortrag. Dabei ging er der Frage nach, ob nach einer OP propriozeptives und sensomotorisches Training das richtige ist. Justs Resümee: „Bislang gibt es kein einheitliches Assessment zur Erfassung, Diagnostik und Analyse von propriozeptiven und sensomotorischen Merkmalen. Je nach Wissenschaftler werden verschiedene Übungen zu einer Testbatterie zusammengefügt, von denen einige verlässlich sind.“ Im Anschluss berichtete Orthopädieschuhmachermeister Matthias Trautmann über die Wichtigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit, die er seit vielen Jahren – unter anderem mit Just – aktiv umsetzt. Dabei stellte er heraus: „Eine ganzkörperliche Betrachtungsweise ist bei der Ursachensuche von Beschwerden zwingend erforderlich.“ Und fügte in seiner sympathischen schwäbischen Mundart hinzu: „Man muss einfach miteinander schwätzen.“


Wie wichtig es ist, sich als Physiotherapeut als Marke zu etablieren und Netzwerke zu bilden – vor allem, wenn es um die Frage nach besseren Verdienstmöglichkeiten geht, darüber referierten Karsten Wegener und Robert Pfund von der Elithera Gruppe in ihrem Vortrag „Krankengymnastik war gestern“. Dabei ging Pfund auf das Sieben-Phasen-Modell von Elithera ein, einer Kombination aus Einzel- und Gruppenbehandlung sowie Kassen- und Selbstzahlerleistungen.


Verkaufen bedeutet Kommunikation
Für einen gelungenen und unterhaltsamen Abschluss sorgte Dr. Uwe Schlegel, Geschäftsführer ETL Rechtsanwälte, mit seinem Vortrag „Wa(h)re Kommunikation. Wie Physiotherapeuten ihre Dienstleistungen verkaufen“. Dabei machte er deutlich: Verkaufen bedeutet in erster Linie kommunizieren. Denn Kommunikation schafft Stimmung und die wiederum hilft zu verkaufen. „Dabei sollten Sie manchmal einfach genau hinhören, was Sie sagen, - und was Sie so besser nicht gesagt hätten“, stelle Schlegel heraus. Dabei berichtete er von seinem letzten Besuch beim Physiotherapeuten, bei dem die Therapeutin ihn wenig freundlich auf Folgendes hinwies: „Wenn Sie so rumstehen, ist es auch kein Wunder, dass Sie Schmerzen haben.“ Nicht förderlich für die eigene Praxis sei es ebenso, seine Mitarbeiter vor den Patienten zurechtzuweisen – schließlich sollen sie sich gut behandelt und wohl fühlen. Denn darum gehe es ja schließlich beim Physiotherapeuten: „Welcher Laie kann schon beurteilen, ob Sie ein gut ausgebildeter Physiotherapeut sind?“


„Die Veranstaltung hat mir super gefallen“, fasst eine Teilnehmerin ihre Eindrücke zusammen. „Es gab viel Input, aber alles war gut sortiert und organisiert. Man merkt einfach, dass die Referenten genau wissen, wovon sie reden.“ Ein anderer Teilnehmer ergänzt: „Die bunte Mischung aus Wissenschaft, Praxis und Wirtschaft hat mich überzeugt. Und das in einem tollen Ambiente und dann noch mit Führung durch die Allianz Arena.“ Und auch das war für viele Teilnehmer wichtig: der Austausch mit Kollegen aus anderen Bundesländern. „Insgesamt hat mich die Themenvielfalt beeindruckt“, resümiert ein weiterer Teilnehmer. „Die Vorträge waren nicht nur erfrischend und prägnant, sondern auch sehr informativ und haben mir neue Denkanstöße für meine Arbeit gegeben."


Im Foyer erfuhren die Teilnehmer bei den Ausstellern ARTZT, BBD BodyBeautyDesign, BRITA, EDEN REHA, Elithera, ERGO-FIT, for me do, galileo Training, Indoorcycling Group, IFK, INDIBA aktiv, KANZLSPERGER, physio-fit, Polar, RÖWO, S. Merzendorfer Orthopädie-Technik Sanitätshaus, sysTeam, TechnoGym, TOPRO und ZTG mehr über deren Dienstleistungen und Produkte für Physiotherapeuten. Eine Führung durch die Allianz Arena mitsamt Mixed Zone, Spielerkabinen und Pressebereich rundete die Veranstaltung ab. Bei zünftigem Büffet und der Original-Band aus dem Hacker-Festzelt „Die Kirchdorfer“ ließen die teilnehmenden Physiotherapeuten den Abend ausklingen.


Weitere Informationen und Impressionen zur Veranstaltung finden Interessierte unter www.physiotherapie-in-der-offensive.de.