Die Zahl essgestörter Jugendlicher steigt in den Industrieländern an. Verschiedene Ursachen wurden dafür genannt. Unstrittig scheint zu sein, dass der familiäre Hintergrund eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Essstörungen spielt. Eine Studie, die jetzt unter der Federführung von Dr. Dianne Neumark-Sztainer an der University of Minnesota, Minneapolis, USA, durchgeführt wurde, hat den Zusammenhang zwischen häuslichen Essgewohnheiten und der Häufigkeit von Essstörungen untersucht.

An dieser Langzeitstudie nahmen 2.516 Heranwachsende aus 31 Schulen teil. Zu Beginn der Studie 1999 wurden die Teilnehmer in ihren Schulen ausführlich befragt und untersucht. Fünf Jahre später, 2004, wiederholte man die Befragung mit Hilfe von zugeschickten Fragebogen.

Der Zusammenhang zwischen einer Essstörung im Jahre 2004 und den Ess- und Mahlzeitengewohnheiten in der Familie im Jahre 1999 sind offensichtlich: Mädchen, die 1999 angaben, dass zuhause die Familie mindestens fünf Mal pro Woche gemeinsam aß, hatten ein 29 Prozent geringeres Risiko fünf Jahre später ein extrem gewichtskontrollierendes Verhalten wie zum Beispiel bei der Anorexia nervosa an den Tag zu legen. Dieses Ergebnis war völlig unabhängig vom Body Mass Index, Familienzusammenhalt oder anderen soziodemographischen Faktoren. So nutzten zum Beispiel 26 Prozent jener Mädchen, die zuhause seltener als fünf Mal pro Woche gemeinsam mit der Familie aßen, Appetitzügler, Laxantien oder Diuretika beziehungsweise erbrachen sich absichtlich nach dem Essen. Jene Mädchen, bei denen gemeinsame häusliche Mahlzeiten mindestens fünf Mal pro Woche normal waren, zeigten nur in 17 Prozent der Fälle ein solches Verhalten.

In Bezug auf andere Essstörungen gab es einen starken Trend in eine ähnliche Richtung, der aber statistisch nicht signifikant war. Bei Jungen übrigens hatte das gemeinsame Essen in der Familie keinerlei Auswirkung auf die Entwicklung einer Essstörung.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine 2008, Vol. 162, S. 17-22