Oxidativer Stress trägt möglicherweise zur Pathogenese der Amyotrophen Lateralsklerose bei. Darauf haben frühere Studien hingewiesen. Darum lag der Versuch nahe, durch verstärkte Zufuhr antioxidativ wirksamer Stoffe das Risiko einer Amyotrophen Lateralsklerose zu senken. Zu diesen Stoffen gehören auch verschiedene Vitamine.

Eine Arbeitsgruppe unter Dr. Alberto Ascherio von der Harvard School of Public Health, Boston, USA, hat nun untersucht, ob die regelmäßig hohe Zufuhr von Vitamin E und Vitamin C vor einer Amyotrophen Lateralsklerose schützen kann.

957.740 Probanden nahmen an dieser Studie teil. Alle waren älter als 30 Jahre und Teilnehmer der "American Cancer Society's Cancer Prevention Study II". Zum Zeitpunkt des Studienbeginns 1982 hatte man die Probanden unter anderem nach ihren Ernährungsgewohnheiten gefragt beziehungsweise ob sie Vitaminpräparate einnehmen. Mit Hilfe des US-amerikanischen "National Death Index" stellte man dann fest, welche dieser Probanden in den Jahren 1989 bis 1998 an einer Amyotrophen Lateralsklerose erkrankt und verstorben waren.

525 Todesfälle als Folge einer Amyotrophen Laeralsklerose wurden registriert. Der Vergleich mit der Vitamin-Aufnahme zeigte: Regelmäßige Einnahme von Vitamin E-Präparaten konnte das Risiko senken, an dieser neurologischen Erkrankung zu sterben. Das Risiko sank bei jenen, die seit höchstens zehn Jahren Vitamin-E-Präparate einnahmen um 41 Prozent und bei jenen, die schon seit mehr als zehn Jahren Präparate einnahmen um 62 Prozent, jeweils im Vergleich zu Probanden, die keine Vitaminpräparate zu sich nahmen (p gleich 0.004). Vitamin C oder andere Vitamine haben dagegen keinerlei Einfluss auf das Mortalitätsrisiko der Amyotrophen Lateralsklerose.

MEDICA.de; Quelle: Annals of Neurology 2005, Vol. 57, S. 104-110