Regeneration von Sehnen und Bändern

Neue Hoffnung bei Sehnen-
verletzungen: adulte Stammzellen;
© GBF/Gramann

"Um gerissene Sehnen oder Bänder zu heilen, gibt es nur wenige Optionen", erklärt Dr. Gerhard Gross von der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF). "Meist transplantiert man dazu eigenes oder fremdes Sehnen-Gewebe oder einen künstlichen Gewebe-Ersatz." Zufrieden stellende Langzeit-Lösungen, so Gross, böten all diese Methoden nicht: "Es kommt häufig zu Komplikationen, von Immun- und Abstoßungsreaktionen bis zur Abnutzung des Implantats."

Eine alternative Methode hat die GBF-Arbeitsgruppe von Dr. Gross, Dr. Andrea Hoffmann und ihren israelischen Kollegen jetzt erfolgreich erprobt und beschrieben. Sie verwendeten dazu adulte Stammzellen, die im Körper erwachsener Menschen vorkommen, aber auch gut in Kultur gezüchtet werden können. Ein Untertyp, die so genannten mesenchymalen Stammzellen (kurz: MSC), wird im Knochenmark gebildet. MSC dienen dem Organismus als vielseitige Eingreiftruppe: "Aus MSC können sich bei Bedarf knochenbildende Zellen entwickeln", erklärt Andrea Hoffmann, "aber auch knorpelbildende oder Muskelzellen oder Fettspeicherzellen. Und vor allem, was uns am meisten interessiert: Sehnenzellen."

Um die MSC dazu zu bringen, muss allerdings Smad8 vorhanden sein: Dieses Molekül überträgt Signale an die Zelle und übersetzt sie in den Befehl, Sehnen zu bilden. Die Forscher konnten zeigen: MSC-Zellen, die besonders viel Smad8 sowie den ebenfalls bedeutsamen Wachstumsfaktor Bmp2 produzieren, sorgen für massenhaftes Sehnen-Wachstum. Zumindest bei Ratten ließ sich dieser Effekt auch für eine Therapie nutzen.

"Ob ein entsprechendes Heilungsverfahren auch beim Menschen wirken würde, müssen künftige Untersuchungen zeigen", erklärt Gross. "Es wird sicher mehrere Jahre dauern, bis das erprobt ist."

MEDICA.de; Quelle: Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF)