Reine Seniorenprodukte sind keine Lösung

Je weniger Bedienelemente, desto
geeigneter ist ein Auto für ältere
Menschen; © Hemera

Der Wissenschaftler tendiert eher zum Gegenteil: "Produkte müssen barrierefrei und integrativ sein, also für zehn- bis 80-Jährige entwickelt werden", sagte Pöppel in einem Interview mit dem Forschungsmagazin Pictures of the Future.

Es dürfe keine Segmentierung der Gesellschaft geben, sonst fühlten sich die Menschen stigmatisiert, denn sie möchten ja dazugehören. Im Übrigen könnten auch Jüngere Geräte besser nutzen, wenn sie bedienerfreundlicher gestaltet seien, sagte Pöppel. Der Professor an der Ludwig-Maximilian-Universität München leitet das Generation-Research-Program (GRP), das sich mit der Entwicklung altersgerechter Produkte befasst.

Das GRP-Team untersucht etwa, wie Schalter in Autos angebracht werden müssen, damit sie von Senioren mühelos erreicht werden können. Pöppel bemängelt, dass es heute in Autos zu viele und zu weit auseinander liegende Bedienelemente gebe. Das sei besonders für Ältere ungeeignet, da sie für viele Aktionen mehr Zeit benötigten. Bei ihnen verlaufen die Informationsverarbeitung und die Entscheidungsprozesse langsamer als bei Jüngeren.

Pöppel kritisiert zudem die Haltung, dass sich der Mensch an die Technik anpassen müsse. Aber "das Gegenteil ist richtig: Die Technik muss sich anpassen". Bei den meisten Geräten spielten ästhetische Gesichtspunkte eine größere Rolle als die Benutzerfreundlichkeit.

"Aber Ältere möchten Produkte kaufen, die sie auch bedienen können." Einige Unternehmen haben diese Problematik erkannt und entwickelt unter dem Konzept "Design for All" Produkte für alle Altersgruppen.

MEDICA.de; Quelle: Generation Research Program (GRP)