Junge Menschen haben ein erhöhtes Risiko, sich mit HIV zu infizieren, da sie häufiger die Partner wechseln als ältere Menschen. Bislang war aber wenig darüber bekannt, wie Religion und ethnische Zugehörigkeit dieses Risiko beeinflussen. Auf dem 16. Welt-AIDS-Kongress wurde jetzt eine Studie vorgestellt, die sich mit diesem Thema beschäftigt.

An dieser Untersuchung in einer kanadischen Stadt nahmen 511 junge Erwachsene mit unterschiedlichem religiösen und ethnischen Hintergrund teil. 47,2 Prozent berichteten, in den vergangenen Monaten vaginalen Geschlechtsverkehr ausgeübt zu haben. 30,6 Prozent berichteten von ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Offenbar hat Religion einen stärkeren Einfluss auf das Ausüben ungeschützten Geschlechtsverkehrs als die ethnische Zugehörigkeit. So hatten Katholiken mit einer fast fünf Mal höheren Wahrscheinlichkeit ungeschützten Sex als Moslems. Andere nicht-katholische Christen (3,7-fach wahrscheinlicher), Juden (3,66-fach wahrscheinlicher) und nicht-religiöse Jugendliche (3,9-fach wahrscheinlicher) hatten zwar ebenfalls häufiger ungeschützten Geschlechtsverkehr als Moslems, aber wesentlich seltener als Katholiken. Diese Unterschiede blieben auch, nachdem man andere soziodemographische Faktoren herausgerechnet hatte. Die ethnische Zugehörigkeit dagegen hatte kaum Einfluss auf die Häufigkeit ungeschützten Geschlechtsverkehrs.

Dieses Ergebnis erklärt sich aber offenbar dadurch, dass junge Moslems generell seltener Geschlechtsverkehr haben als gleichaltrige Jugendliche anderen oder keinen Glaubens. Verglich man nur diejenigen miteinander, die überhaupt Sex hatten, dann zeigte sich: Moslems schützen sich ebenso selten oder oft beim Geschlechtsverkehr wie andere.

MEDICA.de; Quelle: XVI International AIDS Conference 2006 Abstract WEPE0741