Resistente Krebszellen erfolgreich vernichten

Diesen Effekt konnte die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Anja Apel an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg im Laborversuch zeigen. Apel forscht in der Gruppe Molekulare OnkoChirurgie, eine Kooperation zwischen der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Jede Körperzelle verfügt über ein Recyclingsystem: Mit bestimmten Werkzeugen werden Eiweiße und Zellorgane, die nicht mehr gebraucht werden, "verdaut" und die einzelnen Baustoffe wieder verwendet. "Dieser Prozess muss in allen gesunden Zellen des Körpers ablaufen", erklärt Professor Dr. Ingrid Herr vom DKFZ. Ist die Zelle stark geschädigt, baut dieser als "Selbstfressen" bezeichnete Vorgang die Zelle sogar ganz ab. Sie begeht dann sozusagen einen geregelten Selbstmord.

"Hier sehen wir eine mögliche Verbindung zur Entstehung von Krebs", erklärt Apel. Wenn die Autophagie, also die intrazellulären Verdauungprozesse, gestört seien, würden geschädigte Zellen nicht beseitigt und könnten zu Tumoren auswachsen. Außerdem gehen die Heidelberger Forscher davon aus, dass aggressive Tumorzellen die Prozesse des zelleigenen Recyclingsystems nutzen, um einer Tumortherapie durch Bestrahlung zu widerstehen.

Tatsächlich konnten die Wissenschaftler an strahlenresistenten Zellen verschiedener Tumoren zeigen: Werden Gene, die die Bauanleitungen von Recycling-Werkzeugen enthalten, blockiert, so tötet die Bestrahlung die Krebszellen effektiv ab. "Weniger aggressive Krebszellen, die ohnehin auf Bestrahlung ansprechen, wurden durch die Blockade der Genfamilie nicht beeinflusst", berichtet Apel.

Als nächstes Forschungsprojekt untersuchen die Heidelberger Wissenschaftler, inwieweit die neuen Erkenntnisse auf die Behandlung von Tumoren des Magen-Darm-Traktes anwendbar sind - Krebsformen, die als besonders therapieresistent gelten.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg