Rhesus-Prophylaxe nur, wenn nötig

Foto: Eine Schwangere hält schützend ihren Bauch

Eine Drittel der in der Studie getes-
teten Schwangeren hätte gar keine
Prophylaxe gebraucht; © SXC

Rhesusfaktor D-positiv oder D-negativ - welche Blutgruppe hat mein Kind? Die Antwort auf diese Frage hat für Schwangere mit "Rh-negativ", die selbst keinen Rhesusfaktor D auf den roten Blutkörperchen haben, eine besondere Bedeutung: Hat ihr Kind einen anderen Rhesusfaktor-Status als sie selbst, dann besteht Lebensgefahr für das Kind.

Hier hilft eine vorbeugende Behandlung mit einer so genannten Anti-D-Prophylaxe. In Deutschland wird sie für alle Schwangeren mit dem Rhesusfaktor D-negativ empfohlen. In vielen Fällen könnte jedoch auf eine solche Behandlung verzichtet werden. Voraussetzung ist: Der Rhesusfaktor des kindlichen Blutes müsste sicher vorausgesagt werden können.

In einer Studie kamen Wissenschaftler zu dem Ergebnis: Wenn ein Magnetspitzen-Roboter eingesetzt wird, um die DNA des Feten aus dem Blut der Mutter zu isolieren, dann fallen die Vorhersage-Ergebnisse äußerst zuverlässig aus.

Die Forscher haben 1.113 Blutproben von Schwangeren aus ganz Deutschland untersucht. Für die Untersuchung verwendeten sie Blutproben, die im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge entnommen wurden.

Das Ergebnis: In 99,8 Prozent aller Rhesus positiven Fälle stimmte der vorgeburtliche Test mit dem Test beim Neugeborenen überein. Damit ist die Methode vergleichbar gut wie die seit Jahrzehnten etablierte Blutgruppenbestimmung: Nach der Geburt wurden mit der herkömmlichen Blutgruppenbestimmung 99,5 Prozent aller Rh-positiven Fälle korrekt nachgewiesen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: 35 Prozent aller Kinder von Frauen mit Rhesusfaktor D negativ hatten selbst Blut mit Rhesusfaktor D-negativ (Rh-negativ). Diese Mütter hätten keine Anti-D-Prophylaxe gebraucht, so die Forscher. Hochgerechnet seien das auf Deutschland bezogen rund 46.000 Frauen pro Jahr, die eine Rhesus-Prophylaxe bekämen, obwohl sie diese nicht benötigen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität