Risiko-Score für Lebenserwartung von Krankenhauspatienten

29.06.2015
Foto: Älterer Mann mit Magensonde im Krankenbett

Ein mit Krankheit assoziierter Gewichtsverlust im Krankenhaus die erhöht Mortalität der Patienten - der "Pandora-Score" könnte zukünftig die Patienten identifizieren, die aufgrund ihres Ernährungszustandes besondere Aufmerksamkeit benötigen; ©panthermedia.net/ khunaspix

Forscher der MedUni Wien an der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie, der Universitätsklinik für Innere Medizin III und des Zentrums für Medizinische Statistik, Informatik und Intelligente Systeme haben den weltweit ersten Prognose-Score (PANDORA-Score) für Krankenhauspatienten und deren Lebenserwartung innerhalb der nächsten 30 Tage entwickelt.

Das ist die erste konkrete Umsetzung aus dem Projekt "nutritionDay worldwide", das von Michael Hiesmayr, Leiter der klinischen Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin gemeinsam mit Karin Schindler an der MedUni Wien vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde.

Das Ziel des Projekts ist es, weltweit eine Karte zu erstellen, in der die Häufigkeit von Mangelernährung, der Ernährungszustand von Patienten sowie die ernährungsrelevanten Versorgungsstrukturen in Krankenhäusern und Pflegeheimen ersichtlich sind. Aktuell sind 59 Länder - von Albanien bis China, von Indien bis zur USA sowie insgesamt 32 europäische Staaten - involviert. Der nächste weltweite "nutritionDay" findet am 19. November 2015 statt.

Nun wurde der Pandora-Score (Patient-And Nutrition-Derived Outcome Risk Assessment) im Open Access-Journal PloS One vorgestellt. Für die Entwicklung des Scores wurden mehr als 43.000 Patientendaten aus 2.480 medizinischen Einrichtungen in 59 Ländern herangezogen und diese mit weiteren 13.000 Patientenbefragungen validiert. "Bisher wurden rund zwei Millionen Einzeldaten online in 32 Sprachen anonymisiert erfasst", sagt Michael Hiesmayr, Leiter der klinischen Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin an der MedUni Wien.

Um den Score zu erstellen, werden von den Patienten einfach verfügbare Daten wie Alter, Größe und Gewicht abgefragt. Außerdem werden sie um eine persönliche Einschätzung ihrer Mobilität und ihres Essverhaltens - sowie ihres Allgemeinzustands gebeten. Mit Hilfe eines gewichteten Punktesystems lässt sich daraus ein genereller Risikoscore erstellen, der im Spital zur Qualitätssicherung, für Studien und für Zwecke der Evaluation - etwa ob man speziellen Risikogruppen spezielle Aufmerksamkeit widmen muss - herangezogen werden kann, "aber auch, um Indizien für eine möglicherweise noch nicht erkannte Hintergrunderkrankung oder andere Problemstellungen zu erhalten", so Hiesmayr. "Denkbar ist zukünftig sogar, einen Online-Risikorechner zu entwickeln, den der Betroffene, sofern er gut dazu in der Lage ist, selbst ausfüllt. Die Ergebnisse könnten künftig auch in die Patientenakten einfließen. Derzeit ist der Score ein Werkzeug, um die Schwere einer Erkrankung besser zu beschreiben und in Zahlen gießen zu können."

Die über die Jahre am "nutritionDay" erhobenen Daten zeigen, dass ein mit der Krankheit assoziierter Gewichtsverlust im Krankenhaus die Mortalität erhöht. "Die meisten kommen bereits mit einem bestehenden Ernährungsproblem ins Spital", sagt Hiesmayr. Der "nutritionDay" wurde als weltweite Aktion gegen Mangelernährung nach einer Resolution im Europarat ins Leben gerufen und findet jährlich statt.

Die Resolution des Europarats (ResAP(2003)3 on food and nutritional care in hospitals) basiert auf dem Wissen, dass 15 bis 40 Prozent aller hospitalisierten Patienten mangelernährt sind, Mangelernährung häufig wenig beachtet wird und daher eine weitere Verschlechterung des Allgemeinzustands eintreten kann. Karin Schindler, Mitbegründerin des Projekts von der Klinik für Innere Medizin III an der MedUni Wien: "In vielen Stationen ist es jetzt schon gelungen, Routinen auf Basis dieser Zahlen anzupassen, Ernährungsrisiken bereits bei der Aufnahme zu erfassen, die gegessene Menge an Nahrung zu überwachen und den Ernährungszustand und einen Therapieplan im Entlassungsbrief anzugeben."

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Universität Wien

Mehr über die MedUni Wien unter: www.meduniwien.ac.at