Frühe Abstoßungsreaktionen sind für etwa die Hälfte aller Todesfälle nach einer Lungentransplantation verantwortlich. Man könnte vermuten, dass in erster Linie die Beschaffenheit des Spenderorgans oder die Umstände der Operation darüber entscheiden, ob das Transplantat früh wieder abgestoßen wird oder nicht. Offenbar spielen aber auch ganz andere Faktoren dabei eine wichtige Rolle. Nun haben sich britische Wissenschaftler des Royal College of Surgeons of England die Frage gestellt, ob man gefährdete Patienten erkennen kann.

Auf der Basis von Daten aus britischen Registern konnten die Experten interessante Erkenntnisse gewinnen: Retrospektiv standen ihnen die Daten von 716 Patienten zur Verfügung, die zwischen Mai 1995 und Dezember 2002 eine neue Lunge bekommen hatten. Sie fanden heraus, dass jene Patienten, die vor der Lungentransplantation künstlich beatmet werden mussten, ein 18-fach höheres Risiko haben, nach der Operation an einer Transplantatabstoßung zu versterben (p kleiner 0.001). Hatten sich die Patienten vor der Operation infiziert, stieg das Abstoßungsrisiko um das Fünffache (p gleich 0.03).

Auch übergewichtige Patienten sind offenbar in höherer Todesgefahr: Bei ihnen steigt das Risiko, früh an einer Abstoßungsreaktion zu versterben, leicht, aber signifikant an: nämlich um das 1,09-fache (p gleich 0.001). Offenbar sollten auch die Größe und das Gewicht von Spender und Empfänger ungefähr zusammen passen. Erhielten Männer nämlich eine Spenderlunge von einer Frau, die deutlich kleiner und schmächtiger gewesen war als sie selbst, erhöht sich die Mortalität um das 2,4-fache nach der Operation (p gleich 0.05). Ähnlich hoch das Risiko, wenn der Lungenspender an einem Trauma verstorben ist: In solchen Fällen verdoppelt sich das Todesrisiko für den Empfänger ebenfalls.

MEDICA.de; Quelle: International Society for Heart and Lung Transplantation 28th Annual Meeting and Scientific Sessions Abstract 22