Risiko steigt durch Bleibelastung

Obwohl Herzkreislauferkrankungen die führende Todesursache weltweit darstellen und zahlreiche Risikofaktoren für diese Erkrankungen beschrieben sind, wird geschätzt, dass noch immer bis zu 25 Prozent aller Herzkreislauferkrankungen durch die bekannten Risikofaktoren nicht erklärt werden können.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die Arbeitsgruppe um Privatdozent Doktor David Bernhard an der Universitätsklinik für Chirurgie (Chirurgische Forschungslaboratorien, Abteilung Herzchirurgie) seit mehreren Jahren mit der Suche nach neuen Risikofaktoren.

Ein besonderes Augenmerk wurde hierbei auf Metalle gelegt. Doktor Iris Zeller, die in Bernhards Gruppe forscht, konnte nun in einer Humanstudie mit jungen Probanden Blei als solchen Risikofaktor identifizieren und auch seine Wirkungsweise beschreiben.

Demnach führen Bleiwerte im Blutserum, die deutlich unter den derzeit geltenden Richtwerten liegen, bereits zu Veränderungen der Blutgefäßwände, die als Vorstufen der Arteriosklerose gelten. Auch der zu Grunde liegende Pathomechanismus konnte detailliert dargestellt werden:

Nachdem Blei in die Blutbahn gelangt ist und von Endothelzellen aufgenommen wurde, aktiviert es den Transkriptionsfaktor Nrf2. Die Nrf2-Aktivierung durch Blei führt zur Synthese von Interleukin-8, das von Endothelzellen freigesetzt wird. Das IL-8 stimuliert wiederum die Wanderung von Glatten Muskelzellen aus einer tiefer liegenden Schicht der Blutgefäßwand und führt zu Verdickung und Umbau. Dieser Vorgang stellt ein zentrales Element in der
Entstehung der Arteriosklerose dar.

Obwohl die gesundheitsschädliche Wirkung von Blei seit langem bekannt ist und das Schwermetall Rang Zwei unter den gefährlichsten Substanzen einnimmt, findet es sich heute nach wie vor in Industrieabgasen (Kohleverbrennung), Wasserleitungsrohren älterer Gebäude, in Lacken und Farben, weshalb die Bedeutung als Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen durch die Wissenschaftler unterstrichen wird.


MEDICA.de; Quelle: Medizinische Universität Wien