Risikofaktor dominant vererbbar

Foto:Familienstammbaum eines 61-jährigen

Familienstammbaum eines 61-jährigen
an einem Plasmozytom erkrankten
Patienten. Der Stammbaum zeigt die
Familie eines Patienten der an einem
Plasmozytom erkrankt ist (I.1, mit
Schwarz gekennzeichnet); © Wilhelm
Sander-Stiftung

Diese bewirkt, dass das Eiweiß namens „Paratarg-7“ in abgewandelter Form gebildet wird. Das veränderte Paratarg-7 verursacht das krankhafte Wachstum von Plasmazellen – den Blutkrebs. Die Mediziner konnten zeigen, dass Paratarg-7 als Risikofaktor dominant vererbbar ist. Ihre Untersuchungen wollen sie nun auf weitere ethnische Gruppen ausweiten.

Das Plasmozytom, auch Multiples Myelom genannt, ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, die durch ein unkontrolliertes Wachstum von Plasmazellen entsteht. Plasmazellen gehören dem Immunsystem an. Sie produzieren Antikörper gegen vermeintlich fremde oder kranke Partikel im Körper. Zu einer bösartigen Entartung dieser Zellen kommt es vermutlich, indem bestimmte Eiweiße, so genannte Antigene, im Körper verändert vorliegen und das Immunsystem andauernd stimulieren.

Ein solches gefährliches Stimulans scheint das Eiweiß Partag-7 zu sein. Die Arbeitsgruppe um Doktor Sandra Grass und Professor Michael Pfreundschuh konnten erstmals zeigen, dass bei etwa 15 Prozent der untersuchten Plasmozytom-Patienten Antikörper vorliegen, die spezifisch gegen dieses Eiweiß gerichtet sind.

Weitere Untersuchungen haben ergeben, das bei Plasmozytom-Patienten das Paratarg-7 gegenüber dem gesunder Personen verändert ist: Es trägt eine zusätzliche Phosphatgruppe. Für Träger dieses Eiweißes besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Plasmozytom zu erkranken. Damit ist das veränderte Paratarg-7 der erste molekulare Risikofaktor, der für die Entstehung des Plamozytoms identifiziert werden konnte.

Familienanalysen zeigen, dass Menschen mit einem veränderten Paratarg-7-Molekül diese Eigenschaft dominant an ihre Kinder vererben. Damit liefern die Ergebnisse der Homburger Mediziner auch eine Erklärung für das familiär gehäufte Auftreten von Plasmozytomen.

Die Arbeitsgruppe will nun untersuchen, ob sich entsprechende Ergebnisse auch bei anderen ethnischen Gruppen, wie etwa bei Afrikanern oder Japanern, zeigen. Des Weiteren wollen die Mediziner klären, ob Paratarg-7 auch bei ähnlichen Blutkresbformen wie dem Immunozytomen (Morbus Waldenström) eine Rolle spielt. Im Interesse steht dabei auch, ob das Eiweiß bei den jeweiligen Patienten – wie im Falle der Plasmozytom-Patienten – eine zusätzliche Phosphatgruppe trägt und somit verändert vorliegt. Durch weitere Familienanalysen in den jeweiligen Patientengruppen soll dann geklärt werden, ob auch bei diesen Blutkrebsarten das veränderte Paratarg-7 dominant vererbt wird. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen könnten das Wissen um die Entstehung des Morbus Waldenström beziehungsweise des Immunozytoms und des Plasmozytoms wesentlich erweitern und gegebenenfalls sogar zur Entwicklung von vorbeugenden Maßnahmen führen, die die Entstehung dieser Erkrankungen verhindern könnten.

Nachdem bei Brust- und Darmkrebs schon längere Zeit Gene bekannt sind, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergehen, stellt der in der Arbeitsgruppe von Professor Pfreundschuh identifizierte Risikofaktor Paratarg-7 erstmals einen entsprechenden Hinweis für bösartige Blutkrankheiten dar. Künftig könnte bei Familienmitgliedern viel besser unterschieden werden, bei wem ein erhöhtes Erkrankungsrisiko vorliegt und bei wem nicht.

MEDICA.de; Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung